11. Dezember 2017 | Von Eric Czotscher

Lotsen durch den Regelwald

Hausaufgaben für 2018: Berater und Vermittler von Finanz- und Versicherungsprodukten müssen sich auf neue Regulierungen einstellen: IDD, MiFID-2, PRIIPs, Geldwäschegesetz, Datenschutzverordnung / Was jetzt zu tun ist

Es gibt einen Weg durch den Dschungel. Bild: quickshooting/Thinkstock

Für Finanzberater und Makler bringt das Jahr 2018 eine Reihe regulatorischer Änderungen, auf die es sich vorzubereiten gilt. Manche sind noch nicht einmal formuliert, andere bereits Gesetz, oder sie befinden sich im Abstimmungsprozess auf EU-Ebene bzw. in der Bundesregierung. Die EU-Kommission hat sich mit ihren Verordnungen so sehr verspätet, dass das EU-Parlament bereits auf eine Verschiebung einzelner Regulierungen drängt. Und auch die Regierungsbildung in Berlin könnte Verzögerungen mit sich bringen.

Dennoch sollten Berater und Vermittler die Hände nicht in den Schoß legen, sondern schrittweise umsetzen, was unweigerlich kommen wird. Man muss sich einen Weg durch den Regulierungsdschungel bahnen. So ist zu empfehlen, die Geschäftsstrategie, das Vergütungsmodell und den Beratungsprozess mit Blick auf die Änderungen zu überprüfen und anzupassen. Insbesondere der Beratungsprozess – von der Erstinformation über die Erhebung relevanter Kundendaten bis zur Produktauswahl und zur Dokumentation – ist zu modifizieren, gleichgültig, ob der Finanzberater Versicherungen oder Finanzanlagen vermittelt, gleichgültig ob er gegen Honorar oder Provision arbeitet.

Von neuen bzw. erweiterten Vorgaben sind Versicherungsvermittler und Versicherungsberater sowie Finanzanlagenvermittler und Honorarfinanzanlagenberater betroffen – neben Banken, Wertpapierdienstleistungsunternehmen und Versicherungen, denen das Hauptaugenmerk der Regulierer gilt.

„Der Neue Finanzberater“ hat mit den Fachanwälten Jürgen Evers (Bank- und Kapitalmarktrecht), Philipp Mertens (Vertriebsrecht) und Norman Wirth (Versicherungsrecht) und weiteren Experten gesprochen, um eine Liste mit „Hausaufgaben für 2018“ zusammenzustellen. Da noch nicht alles in trockenen Tüchern ist, gilt: Seien Sie in der kommenden Zeit wachsam, und informieren Sie sich über alle Veränderungen, die nach und nach konkreter werden!

Verbände, Pools, Finanzdienstleister, der Arbeitskreis Beratungsprozesse und die Fachpresse unterstützen Sie durch laufende Berichterstattung bzw. durch neue Beratungswerkzeuge. Denn als Einzelkämpfer ist es schwierig, alle Regulierungen zu bewältigen, wie Norman Wirth, Rechtsanwalt und geschäftsführender Vorstand des Bundesverbands Finanzdienstleistung AfW e.V., betont.

Versicherungsvermittler warten auf IDD-Umsetzungsregeln

Mit Spannung verfolgen Versicherungsvermittler und -berater, welche Auswirkungen das im Sommer beschlossene deutsche Gesetz zur Umsetzung der EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) für sie hat, das nach bisherigem Plan am 23. Februar 2018 in Kraft treten soll. Die IDD zielt auf mehr Verbraucherschutz beim Versicherungskauf: durch Transparenz bei den Kosten der Produkte, durch verständliche Produktinformationen und schärfere Wohlverhaltensregeln für Berater. Außerdem enthält die IDD Auflagen für neue Versicherungsprodukte, die künftig auf definierte Zielmärkte bzw. -kunden ausgerichtet sein müssen. Und Versicherungsvermittlern wird zur Auflage gemacht, sich 15 Stunden pro Jahr fachlich weiterzubilden.

Vermittler können wie bisher mit unterschiedlichen Vergütungsmodellen arbeiten, ob Provision/Courtage, Honorar oder Mischmodell. Es gibt weder ein Provisions- noch ein Honorarannahmeverbot. Die Vermittler müssen ihren Kunden aber bereits vor der Beratung in ihrer Erstinformation mitteilen, mit welchem Modell sie arbeiten. Neu ist ein Informationsblatt für jede Police, in der die Versicherer u.a. sämtliche Kosten aufführen müssen. Außerdem müssen Lebensversicherer – ab Juli 2018 – ihre Standmitteilungen standardisieren.

Wenige Teile des IDD-Umsetzungsgesetzes sind bereits in Kraft, darunter das Provisionsabgabeverbot, das im neuen § 48b des Versicherungs-Aufsichtsgesetzes (VAG) steht. Vermittler dürfen Zuwendungen, die sie von Versicherern erhalten, nicht an ihre Kunden weitergeben, außer wenn die Prämie dauerhaft reduziert oder die Tarifleistungen erhöht werden. Denn der Kunde soll durch hohe Provisionsauszahlungen nicht in Versuchung geführt werden, ungeeignete Versicherungen zu kaufen.

Best Advice für die Kunden

Neu ist auch der § 48a VAG, der am 23. Februar 2018 in Kraft tritt. Er ist das Herz der IDD mit Fokus auf Verbraucherschutz und vertrauenswürdiger Beratung: Versicherer und Vermittler dürfen künftig keine Anreize schaffen, damit Kunden ein bestimmtes Produkt empfohlen wird, obwohl ein anderes Produkt besser für sie geeignet wäre. Anders ausgedrückt: Provisionen/Courtagen dürfen nicht zu einer Verschlechterung der Beratungsqualität führen.

Vermittler und Berater müssen „stets ehrlich, redlich und professionell im besten Interesse des Kunden handeln“ (Best Advice). Darauf hin müssen alle Beratungs- und Verkaufsprozesse ausgerichtet sein. Zum Beispiel müssen Makler bei der Produktauswahl das gesamte Angebot an Maklerversicherungen berücksichtigen und nicht nur eine repräsentative Auswahl, wie Rechtsanwalt Jürgen Evers hervorhebt. Wenn es ein Produkt gebe, das die Ziele des Kunden am besten erfülle, dürfe der Vermittler künftig kein anderes empfehlen. Kniffliger wird es bei Versicherungsvertretern: Sie müssten zwar keine Wettbewerbsprodukte ins Gespräch bringen, doch wenn die eigenen Produkte nicht zum Kundenbedarf passten, müsse auch ein Vertreter von seinen Produkten abraten.

Künftig besteht in allen Vertriebskanälen Beratungs- und Betreuungspflicht. Die Ausnahme für Fernabsatz in § 6 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) wird gestrichen. Auch InsurTechs und Vergleichsportalmakler müssen künftig beraten und ihre Beratung dokumentieren. Allerdings können Kunden wie bisher – nach ausdrücklicher Belehrung über mögliche Nachteile – auf Beratung auch ganz verzichten.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier auf den Seiten 3 bis 13.

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