11. Dezember 2017 | Von Marco Richter

Welche Beratung Profisportler brauchen

Vermögensaufbau mit Turbogeschwindigkeit, danach lange Jahre des Vermögensverzehrs

Viele Profisportler kümmern sich nur widerwillig um ihr Finanzplanung. Bild: Dargonimages,/Thinkstock

Wieder sorgte das finanzielle Desaster eines Profisportlers für Schlag- zeilen, und die ganze Welt fragt sich, warum Boris Becker, der so viel Geld verdient hat, pleitegehen kann. Sein Fall ist beispielhaft für die finanziellen Herausforderungen von Profisportlern. Einige verdienen während ihrer aktiven Zeit Millionen und gewöhnen sich schnell an einen luxuriösen Lebensstil. Solange die Einnahmen sprudeln, ist das kein Problem. Doch wenn mit dem Ende der Profikarriere der Geldhahn abgedreht wird, stehen die Millionäre auf dem Trockenen.

Dieser Verlauf ist zwar für Profisportler charakteristisch und damit vorhersehbar, aber die Sportler tragen dem eben nicht mit vorausschauender Finanzplanung und Haushaltsdisziplin Rechnung. Meine eigenen Untersuchungen zum Finanzverhalten von Profifußballern zeigen, dass sich über die Hälfte der Sportler selten bis sehr selten mit ihren Finanzen beschäftigt. Die meisten schöpfen zunächst aus dem Vollen, und einige sind dann eines Tages tatsächlich insolvent.

Die Gründe für dieses wenig rationale Verhalten sind vielfältig: Wie der deutschen Bevölkerung insgesamt mangelt es auch vielen Sportlern an grundlegendem Finanzwissen. Solches Wissen baut sich, wenn überhaupt, über die Zeit auf. Doch auf dem Höhepunkt ihrer Karriere sind die Athleten meist sehr jung. Sie verdienen mit Anfang 20 schon Topgehälter, während andere Menschen erste Berufserfahrungen sammeln oder noch studieren. In diesem Alter müssen sie schon weitreichende Vermögensentscheidungen treffen.

Marco Richter hat für seine Masterarbeit zum Thema „Financial Planning für Profifußballer“ den Wissenschaftspreis des FPSB Deutschland e.V. gewonnen und teilt sein Insiderwissen gerne mit den Lesern von „Der Neue Finanzberater“.       Bild: Marco Richter

Wer unterstützt die jungen Millionäre?

Naheliegend wäre es, wenn sich die Vereine um die Finanzen ihrer Schützlinge kümmerten. Oft genug gehören Banken sowieso zu den Großsponsoren. Doch die meisten Vereine wollen nichts mit den Geldangelegenheiten ihrer Spieler zu tun haben und verweisen stattdessen auf deren Eltern und Spielerberater. In den prominenten Fällen Steffi Graf und Lionel Messi entpuppten sich die Väter als äußerst schlechte Berater. Auch die meisten anderen Sportlereltern wären mit der Vermögensverwaltung ihrer Kinder überfordert.

Bleiben die Spielerberater. Doch auch diese helfen selten bei der Geldanlage, sondern verweisen auf Banker oder unabhängige Vermögensverwalter und Anlageberater. Ich habe mich in meiner Masterthesis intensiv mit der Frage aus- einandergesetzt, nach welchen Kriterien Spielerberater Finanzexperten empfehlen und wie man als Finanzberater selbst in das Geschäft mit Profisportlern kommen kann.

Letztlich kommt es auf persönliche Kontakte an. Spielerberater wenden bei ihren Empfehlungen keine objektiven Kriterien an und vergleichen Beratungsangebote nicht in einem systematischen
„Beauty-Contest“. Stattdessen muss der Finanzberater selbst zum Bekanntenkreis des Spielerberaters gehören oder einen guten Ruf in der jeweiligen Sportlergemeinde haben.

Tür zu Sportlerkreisen öffnen

Genau diese Erfahrung machte ich auch mit meiner Studie. Am Anfang war ich  überhaupt kein Insider. Deshalb hielten die Betreuer meiner Masterthesis an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht mein Forschungsprojekt zwar für interessant, aber für nicht realisierbar. Ich blieb hartnäckig und konnte nach einem Jahr Überzeugungsarbeit die Spielergewerkschaft und den Verband der Spielerberater und letztlich auch Prof. Dr. Rolf Tilmes für mein Projekt begeistern. Neben wertvollen Erkenntnissen über das Finanzverhalten von Profifußballern habe ich in der Arbeit ein Beratungskonzept speziell für die Bedürfnisse von Profisportlern entwickelt. Da es stark auf Einfachheit und Intuition setzt, ist es auch für Verbraucher sehr gut geeignet.

Finanzplanung für Fußballer

Eine Besonderheit im Finanzmanagement von Profifußballern ist die Häufung drastischer Veränderungen in der Lebensgestaltung. Dies muss ein Finanzberater bzw. -planer unbedingt mit einkalkulieren. Zentrales Steuerungsinstrument ist die Cashflowplanung. Eine Sportverletzung, ein Trainerwechsel oder ein schlichtes Formtief können die Einnahmen drastisch herunterfahren – insbesondere vor dem Hintergrund immer kürzerer Zeitverträge und der Zunahme variabler Vergütungsbestandteile. Auch ein Profisportler bekommt nur sechs Wochen Lohnfortzahlung.

Die Finanzplanung von Profifußballern muss deshalb höchst agil sein. Allerdings darf der Berater seine Mandanten auch nicht überfordern. Die Informationen und Empfehlungen müssen leicht verständlich sein. Bei meiner Spielerbefragung gaben rund 70 Prozent der Teilnehmer an, sich maximal 45 Minuten für eine Finanzberatung Zeit nehmen zu wollen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man diese hohen Anforderungen an Schnelligkeit und Agilität ohne Software nicht erfüllen kann. Auf der Suche nach einem passenden Programm für eine schnelle Vermögenserfassung und -analyse wurde ich am Markt leider nicht fündig und habe deshalb gemeinsam mit meinem Team von Wealthpilot eine eigene B2B-Software entwickelt. Diese ist mittlerweile für alle Finanzberater erhältlich. Neben den Beratern nutzen sie auch Endkunden, um ihre Vermögensentwicklung zu verfolgen – über alle Bankverbindungen hinweg. Für Sportler und Nichtsportler mit wenig Geduld und ohne finanzielle Vorkenntnisse ist sie meiner Meinung nach ideal. Sie verleiht der Finanzberatung auch einen gewissen „Spaßfaktor“.

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