12. Februar 2018 | Von Eric Czotscher

Robo-Koop mit vaamo: „Finanzberater bleiben auch nach unserer Umstellung wichtige Partner“

„Ahorn“-Plattform schließt / Robo-Advisor ändert Kooperationsform

Robo-Advisor empfehlen sich für Beratungskunden mit kleinem Vermögen, Berufsanfänger oder Familienangehörige (Bild: vaamo).

Der Frankfurter Robo-Advisor vaamo hat die Kooperationsmöglichkeiten mit unabhängigen Finanzberatern verändert. Die Plattform „Ahorn“, über die Kunden von Finanzberatern bisher im Rahmen einer Anlagevermittlung und durch ein Execution-only-Geschäft Zugang zu den vaamo-Depots hatten, wird derzeit eingestellt. Die Kunden können nun zur Vermögensverwaltung von vaamo wechseln, oder ihr Berater empfiehlt ihnen eine alternative Anlagelösung.

Künftig bietet vaamo Finanzanlagenvermittlern, aber auch Versicherungsmaklern an, als Tippgeber für vaamo zu  fungieren: Für jeden Neukunden gibt es eine feste Provision. Dafür wird nicht einmal eine gewerbliche Zulassung benötigt, da die Vermittlung von Vermögensverwaltungen keine Finanzdienstleistung im eigentlichen Sinne darstellt, wie die BaFin 2017 bestätigte.

Sciuridae-Geschäftsführer Dr. Thomas Bloch will mit Finanzberatern enger zusammenarbeiten (Bild: vaamo).

Honorarberatern bietet vaamo alternativ eine Beratungskooperation an: Dafür erhalten deren Kunden einen Rabatt auf das Serviceentgelt. Das eigene Honorar muss der Berater allerdings seinen Kunden  selbst in Rechnung stellen. Bei Ahorn gab es ebenfalls einen Rabatt für Honorarberaterkunden, bzw.  die Vermittlervergütung war  im Serviceentgelt, das der Kunde zahlte, enthalten und wurde an den Vermittler weitergeleitet. vaamo will ein  komfortables neues Angebot für Honorarberater erstellen. „Wir arbeiten an einer integrierten Lösung“, stellt Dr. Thomas Bloch, Geschäftsführer bei der Sciuridae Vermögensverwaltungs GmbH, zu der die Marke vaamo gehört, in Aussicht.

Selbstentscheider wünschen häufiger Beratung als erwartet

Die Abkehr von dem Execution-only-Modell und der Marke Ahorn begründet Bloch mit Lerneffekten und Rückmeldungen aus der Zusammenarbeit mit Finanzberatern und deren Kunden. So hätten die Kunden häufiger als erwartet bei ihren Vermittlern wegen einer Beratung bei der Portfolioauswahl angefragt. Und auch die Marke vaamo gilt aufgrund der starken Medienpräsenz als deutlich zugkräftiger als „Ahorn“. vaamo wird immer mehr zu einer B2B2C-Lösung, bei der neben unabhängigen Beratern auch Banken wichtige Kooperationspartner sind – neben dem Direktgeschäft über die Website.

Heiko Reddmann wünscht sich eine  gute Honorarberaterlösung (Bild: Honorarkonzept).

„Finanzberater bleiben für vaamo strategisch wichtig“, betont Bloch im Gespräch mit „Der Neue Finanzberater“. Es seien bereits einige Berater unter dem neuen Kooperationsprogramm an Bord. Die Kooperation mit Honorarkonzept läuft ebenfalls weiter. Heiko Reddmann, Geschäftsführer dieses Honorardienstleisters: „Unsere Zusammenarbeit hat eine langfristige Perspektive. Derzeit laufen die Arbeiten zu den Anpassungen an die neuen regulatorischen Bedingungen. Insbesondere eine Abrechnungsmöglichkeit für Honorarfinanzanlagenberater wäre unseren Beratern sehr willkommen. Robo-Advisor sind für Berater eine sehr gute Möglichkeit, insbesondere kleinere Sparpläne und Vermögen effizient zu betreuen.“

Einige Fondsvermittler finden Ersatzlösung

Einige Finanzanlagenvermittler haben vaamo im Zuge der Änderungen weg von der Execution-only-Lösung für Selbstentscheider hin zum Vermögensverwaltungsmandat allerdings den Rücken gekehrt und ihre Kundendepots entweder in beratungsfreie Alternativlösungen transferiert oder in Beratungsmandate umgewandelt. Die ABATUS Vermögensmanagement GmbH & Co. KG bereitet sich gerade darauf vor, ihre Ahorn-Depots in eine Fondsshoplösung zu transferieren. „Damit können wir Kunden mit wenig Vermögen und kleinen Sparplänen und Menschen, die selbst über ihre Kapitalanlagen entscheiden wollen, weiter eine kosteneffiziente Lösung bieten“, sagt Geschäftsführer Michael Renze. Fondskonzept bietet zum Beispiel solche Lösungen an.

Michael Renze legt bei der Suche nach Alternativen wert auf effiziente Abwicklung (Foto: MR).

Der Heidelberger Fondsberater Werner Gernandt hat sich für eine Beratungslösung entschieden. „Zwar lohnt sich der Beratungsaufwand für die kleinen digitalen Depots kaum, aber ich wollte die Kunden, die weiter von mir betreut werden wollen, nicht im Stich lassen“, betont Gernandt.

Fondsberater Werner Gernandt hat die Depots in die Beratung übernommen (Bild: WG).

vaamos Robo-Portfolios bleiben passiv

Seit 2016 ist Sciuridae durch die BaFin für die Finanzportfolioverwaltung zugelassen. In diesem Zusammenhang hat vaamo auch seine Robo-Portfolios angepasst. Statt wie früher als Finanzanlagenvermittler nach § 34f GewO fünf Musterporfolios ausschließlich mit Fonds von Dimensional Fund Advisors (DFA) anzubieten, werden Kunden auf Basis ihrer jeweiligen Risikotragfähigkeit und -neigung passende Portfolios aus insgesamt 15 vermögensverwaltenden Portfolios mit ETFs und vereinzelt DFA-Fonds zugeschlüsselt,, die laufend optimiert werden. Den passiven Anlageansatz hat vaamo beibehalten. Allerdings kommt diese Abkehr von reinen DFA-Portfolios nicht bei allen Beratern gut an.

Auf der Website von vaamo durchlaufen Neukunden einen digitalen Beratungsprozess, um gemäß ihrer Rendite-Risiko-Präferenzen ein für sie geeignetes Portfolio auszuwählen. Ein Beratungsprotokoll zur Geeignetheit der Anlage gibt es nicht, da es sich nicht um eine Anlageberatung im rechtlichen Sinne, sondern um die Erteilung eines Vermögensverwaltungsmandats handelt, bei der Sciuridae die Auswahl der Anlagen für den Kunden übernimmt.

Robo-Trend zur BaFin-Lizenz

Dem Trend zur BaFin-Lizenz sind fast alle deutschen Robo-Advisors gefolgt. Lediglich growney und easyfolio und neuerdings noch Savemate verfügen nur über eine gewerbliche Zulassung als Finanzanlagenvermittler. Da die BaFin die Definition der reinen Anlagenvermittlung in einem Rundschreiben 2017 stark eingeschränkt hat, ist Robo-Advice ohne Anlageberatung kaum noch durchführbar. Für die Beratung sind aber besondere Bedingungen zu erfüllen, beispielsweise die Erstellung eines Beratungsprotokolls bzw. einer Geeignetheitserklärung. Das lässt sich online offenbar schwer umsetzen. Die Vermögensverwaltung bietet hier eine rechtssichere und bequeme Alternative dazu – auch für Finanzberater als Vermittler.

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