17. Mai 2018 | Von Prof. Dr. Ralf Korn

Wie Finanzberater Simulationen in der Vorsorge nutzen

Beispiel Förderrenten: Offizielle Chancen-Risiko-Klassifizierung bietet guten Gesprächseinstieg für Berater und Kunde

Simulationen erlauben einen Blick in eine mögliche Zukunft. Bei der Altersvorsorge können Sie den Berater dabei unterstützen, das richtige Produkt auszuwählen (Bild: Thinkstock/AndreaObzerova).

In neueren Verordnungen für die Altersvorsorge taucht immer wieder der Begriff „Simulation“ auf.  Dies gilt für das Produktinformationsblatt (PIB) für geförderte Altersvorsorgeprodukte (Riester- und Basisrenten) genauso wie für das Key Information Document (KID) für verpackte Anlageprodukte (PRIIP), wozu Kapitallebensversicherungen und Investmentfonds (KID erst ab 2020) zählen.

Früher wurden für die zu erwartenden Zahlungen in der Zukunft einfache Modellrechnungen verwendet. Heute werden die Wertentwicklungen aufwendig simuliert. Doch sind Simulationen überhaupt sinnvoll, um Altersvorsorgeprodukte im Hinblick auf Chancen und Risiken zu bewerten? Und wie können Finanzberater die Simulationsergebnisse im Beratungsgespräch verwenden?

Produktinformationsblatt mit Simulationsdaten

Seit Januar 2017 muss jedes geförderte Altersvorsorgeprodukt (Riester- und Rürup- bzw. Basisrenten) in eine von fünf Chancen-Risiko-Klas­sen (CRK) eingeordnet werden. Diese Klassifikation basiert auf einer Simulation des Ablaufvermö­gens des Kunden. Sie wird durch die Produktinformations­stelle Alters­vor­sorge gGmbh (PIA) in Kaiserslautern durchgeführt und ist wesentlicher Bestandteil des PIB

Unter Simulation versteht man die Nachbildung eines realen Vorgangs. Simulationen verwendet man bei Vorgängen, deren zu­künftiger Verlauf zufällige Komponenten enthält, die sich durch mathematische Modelle be­schrei­­­ben lassen. Damit bringen sie Licht in die Unsicherheit künftiger Entwicklungen.

So erhofft man sich etwa Erkenntnisse über die Wertentwicklung eines Fonds, wenn man dem Kapitalmarkt bestimmte Entwicklungen unterstellt (Wenn-Dann-Analyse). Dabei ist die Auswahl realistischer „Wenn“-Annahmen (was passiert auf dem Kapital­markt?) genau so wich­­tig, wie die Modellierung der sich daraus ergebenden Fondsentwicklung („dann“). Um der Kom­­plexität und Unsicherheit des Kapitalmarkts gerecht zu werden, muss eine Vielzahl von Simula­tio­nen durchgeführt werden. Mehr noch, aufgrund der nahezu unbegrenzten Zahl möglicher Kapitalmarktentwicklungen müssen die betrachteten Szenarien auch noch nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden.

Feste Renditevorgaben sind unrealistisch

Die Entwicklung des Vertragsvermögens eines Altersvorsorgeprodukts unterliegt vielen unsicheren Bedingungen. Bei einem Produkt gegen Einmalprämie wissen wir beispielsweise nur, welche Beträge der Kunde wann einzahlt.

Für die Chancen-Risiko-Klassifka­tion von Riester- oder Basisrentenprodukten betrachtet die PIA einen Muster­kun­den. Dieser zahlt bis zum Ende der Ansparphase jeweils am Monatsanfang 100 Euro ein, wobei vereinfachend davon ausgegangen wird, dass die Riester-Zu­lage bereits darin enthalten ist. Von diesem Betrag werden die vom Anbieter berechneten Kosten abgezo­gen.

Wenn wir jetzt noch wüssten, wie sich der Kapitalmarkt künftig entwickelt, wäre auch das zum Ende der Ansparphase vorhandene Vertragsvermögen leicht zu errechnen, denn der Anbieter gibt die wesentlichen Produktdaten in Abhängigkeit von der Kapitalmarktentwicklung an die PIA weiter.

Doch die früher üblichen festen Renditevorgaben von 3, 6 oder 9 Prozent für die künftige Kapitalmarktentwicklung berücksichtigen die Risiken und Chancen vieler Produkte nicht einmal ansatzweise und erlauben keinen fairen Produktvergleich. Das liegt auch an der zunehmenden Kom­­ple­xi­tät der Produkte wie dynamische Zwei- oder Dreitopf­hybridprodukte, Indexpar­tizipatio­nen, Höchststandsfonds oder individuelle Constant Proportion Portfolio Insurances (iCPPI), bei denen sichere Anlagen variabel mit Kapitalmarktprodukten wie Fonds, Optionen oder Aktien verknüpft wer­den.

Wie lässt sich die künftige Entwicklung des Kapitalmarkts „vorhersehen“?

Als Basis für die Chancen-Risiko-Klassifizierung durch die PIA dient eine Simulation der künftigen Kapi­talmarktentwicklung. Für solche Simulationen könnte man je nach Phantasie Vorhersagetechniken wie eine „Weltformel“, Exper­tenbefragungen, Wahrsagerei oder auch Auswürfeln einsetzen. Und tatsächlich spielen diese Komponenten in fast jedem Simulationsverfahren eine Rolle – auch in dem für die PIA-Klassifikation. Konkret be­deutet das:

  • Finanzmathematiker entwickeln Modelle („Formeln“), mit denen die Entwicklung des Kapital­markts beschrieben wird.
  • Experten wählen ein Modell aus, das den Kapitalmarkt realistisch beschreibt.
  • Der Markt legt die freien Parameter des Modells fest, so dass die aktuellen Marktpreise mit den theoretischen Modellpreisen übereinstimmen.
  • Mit Hilfe computergenerierter Zufallszahlen werden gemäß dem gewählten Modell ­künf­tige Kapitalmarktentwicklungen erzeugt.

CRK-Klassifizierung: Ein Rezept mit vier Zutaten

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