17. April 2018 | Von Eric Czotscher

Erste „Clean Shares“ für Honorarberater

Moventum spiegelt Vermögensverwalterportfolios mit provisionsfreien Fonds

Die Kosten müssen weg! Aktive Fonds ohne Provisionen für die neue Welt der Finanzberatung (Bild: Thinkstock/ Eduard Lysenko).

Honorarberater, die ihren Kunden neben ETFs oder Produkten von Dimensional Fund Advisors auch aktive Investmentfonds empfehlen wollen, müssen bisher noch umständlich für eine Rückerstattung der Kickbacks sorgen. Steuerlich ist das für die Anleger nachteilig, da die Rückerstattung der Abgeltungsteuer unterliegt. Bislang sind in Deutschland – im Gegensatz beispielsweise zu Großbritannien – kaum provisionsfreie „Clean Share Classes“ von aktiven Fonds erhältlich. Kostengünstige und provisionsfreie Klassen stehen meist nur institutionellen Großkunden zur Verfügung.

Nun prescht der Luxemburger Vermögensverwalter Moventum mit einem Angebot vor: Die Fondsvermögensverwaltung des Anbieters (fünf Risikoklassen von „MoventumPlus Aktiv“ plus „MoventumPlus Private Wealth Management) ist nun auch als provisionsfreie Honorarberatertranchen erhältlich. Für den Kunden machen sich die niedrigeren Kosten unmittelbar in einer besseren Performance bemerkbar.

Hinter dem neuen Angebot steckt eine Menge Arbeit und viel Verhandlungszeit, wie Sascha Werner vom Asset-Management-Team aus dem Hause Moventum berichtet. Einige Fondsanbieter, die Moventum in der Vermögensverwaltung berücksichtigt, mussten erst davon überzeugt werden, „Clean Share Classes“ zur Verfügung zu stellen. Dabei handelt es sich zum großen Teil um sogenannte Affluent Share Classes, die zwischen Retail- und Institi-Tranchen liegen, aber (sofern es sich um Fonds mit Luxemburger Domizilierung handelt) der Luxemburger Retail-Besteuerung unterliegen.

Gebühren jetzt MiFID-2-konform

Honorarberater können ihre Gebühren weiterhin über Moventum abrechnen und vom Kundendepot abbuchen lassen, soweit dies mit dem Kunden vereinbart wurde. Allerdings arbeitet das Unternehmen anstelle der bisher als All-In-Variante gebuchten Management- und Verwaltungsgebühr seit der Umstellung auf MiFID-2 mit drei getrennten Gebühren: eine Plattform-Gebühr für Kontoführung und Transaktionskosten, eine Managementgebühr für das Asset Management sowie eine Servicegebühr für die vom Berater erbrachten Dienstleistungen. Letztere wird zwischen Kunden und Berater individuell vereinbart.

Mit seiner Initiative folgt Moventum dem Geist von MiFID-2 für mehr Transparenz und Verbraucherschutz. Die künftige Regulierung von Finanzanlagenvermittlern nach § 34f GewO steht in Deutschland zwar noch aus, aber zumindest für Wertpapierdienstleister nach dem Kreditwesengesetz (KWG) gilt: Fondsprovisionen müssen komplett für einen besseren Kundenservice oder den Filialbetrieb eingesetzt werden.

Zu hoffen ist, dass in Kürze weitere Anbieter dem Beispiel von Moventum folgen werden. Fondsanbieter haben die Chancen, mit Clean Share Classes den Wettbewerb mit ETFs zu verschärfen.

 

 

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