14. Mai 2018 | Von Ulrich Lohrer

EU-Initiative kann nachhaltige Finanzberatung fördern

Öko-Finanzlabel für 2019 angekündigt / Zuletzt hoher Mittelzufluss in nachhaltige Anlagen

Die Finanzanlagenvermittlerin Carmen Junker, Grünes Geld GmbH, aus Aschaffenburg legt einen Schwerpunkt auf nachhaltige Investments. „Grüne“ ETFs passten nicht für alle Kunden, sagt sie (Bild: Grünes Geld).

Der von EU-Vizepräsident Valdis Dombdrovkis im März 2018 vorgestellte Aktionsplan für „Green Finance“ sieht vor, dass die EU bis Mai 2018 einen Gesetzesentwurf vorlegen will, um zu definieren, was unter „grünen Finanzanlagen“ zu verstehen ist. Bis Ende 2019 soll dann eine Reihe von Gesetzgebungsverfahren umgesetzt werden, die unter anderem einen Kriterienkatalog für Green Finance sowie die Einführung eines EU-Ökofinanzlabels vorsehen. Damit tritt die EU neben eine Reihe bereits vorhandener Gütezeichen und Initiativen für nachhaltige Investments.

Ziel von Green Finance ist es, die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens zu unterstützen, um den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur gegenüber dem vorindustriellen Niveau bei unter 2° C  zu halten. Zu diesem Zwecke sollen Finanzströme in Richtung niedrigerer Treibhausemissionen und Klimaresistenz gelenkt werden.

Starker Mittelzufluss seit 2012

Laut Marktbericht „Nachhaltige Geldanlagen 2017“ des Forums Nachhaltige Geldanlagen e.V. erhöhten institutionelle Anleger in Deutschland in den fünf Jahren seit 2012 ihre Investitionen im Durchschnitt um 38 Prozent p.a. auf zuletzt 68 Milliarden Euro und private Investoren um 5 Prozent p.a. auf 7,5 Milliarden Euro (Investmentfonds und Mandate; Seite 36 im Marktbericht; Stand: 31.12.2016).

„Die Anlagesummen von Privatanlegern steigen deutlich langsamer als die von institutionellen Investoren, haben sich auf mittlere Sicht aber ebenfalls erhöht“, erläutert Carmen Junker, Geschäftsführerin der Grünes Geld GmbH in Aschaffenburg.

Da der EU-Vorstoß ein Klassifikationssystem für klimafreundliche Anlagen vorsieht und ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) für Treuhänder und Investoren verpflichtende werden sollen, erwartet die Bankfachwirtin mit Fortbildung als „ECOanlageberaterin“ der ECOreporter GmbH eine stärkere Vereinheitlichung nachhaltiger Anlagen. Dies könnte Privatanleger vermehrt zu nachhaltigen Investitionen veranlassen, hofft sie.

Keine Nachteile bei Performance und Risikostreuung

Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Meinung zeigen Untersuchungen von Prof. Dr. Henry Schäfer von der Universität Stuttgart und Prof. Dr. Christian Klein von der Universität Kassel, dass mit der nachhaltige Geldanlage keine signifikanten Performanceeinbußen verbunden sein müssen. Auch werde durch übliche Nachhaltigkeitskriterien die Anzahl der zur Verfügung stehenden Aktiengesellschaften nur um etwa 7 Prozent gesenkt, weshalb auch mit nachhaltigen Aktien eine breite Risikostreuung möglich sei.

Management wirkt sich aber auf Kosten aus

Mit börsengehandelten Fonds (ETFs), die ESG-Indices, beispielsweise den MSCI World SRI Index, abbilden, ist die Anlage in nachhaltig ausgerichtete Aktien auch zu geringen Gesamtkostenquoten von 0,3 bis 0,6 Prozent (abhängig von der Anlageregion  und dem Anbieter) möglich. Ganz anders sieht es bei aktiv gemanagten Nachhaltigkeitsfonds aus. Hier trägt der Anleger die Kosten für ein aktives Anlagemanagement plus die Kosten für die jeweilige Nachhaltigkeitsauswahl.

„Oft genügen die ETFs aber nicht den strengen Auswahlkriterien, die viele Anleger wünschen. Außerdem wollen viele dieser Anleger große Konzerne wie Nestlé oder Microsoft meiden. Deshalb kommen für sie nur einige wenige aktiv gemanagte Fonds oder Einzelanlagen in Frage“, erläutert Carmen Junker.

Grünes Geld GmbH ist als Finanzanlagenvermittler tätig. Das zweite Standbein von Carmen Junker, die Grünes Geld Vermögensmanagement GmbH, berät zur nachhaltigen Vermögensverwaltungsstrategie Grünes Geld, die zum Haftungsdach BN & Partners, einem Tochterunternehmen des Vermögensverwalter Reuss, gehört.

 

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