7. Mai 2018 | Von Ulrich Lohrer

Hoher Mittelzufluss, wenig Rendite bei Mikrofinanzfonds

Fünf Mikrofinanzfonds für deutsche Privatanleger / Hohe laufende Verwaltungskosten

Mikrokredite fördern unternehmerisches Handeln in Entwicklungsländern wie hier unter Bauern in Bangladesch (Foto: Thinkstock/RNMitra).

Der Markt für Kleinkredite in Entwicklungsländern weist ein hohes Wachstum auf. Nach der jährlich vom Genfer Investmenthaus Symbiotics durchgeführten Erhebung waren Ende 2016 weltweit 13,5 Milliarden US-Dollar in Mikrofinanzanlagen investiert – neunmal soviel wie 2005, als die Erhebung zum ersten Mal durchgeführt wurde. Der „2017 Symbiotics MIV Survey“ schätzt, dass sich das Anlagevolumen im vergangenen Jahr nochmals um 14,5 Prozent (2016: 10,5 Prozent) erhöht hat.

Kapitalwelle institutioneller Investoren

Mikrofinanzierung wird häufig als Mittel zur Armutsbekämpfung bezeichnet. Bekanntester Kreditgeber ist die Grameen Bank aus Bangladesch, die von Muhammad Yunus gegründet und bis 2011 geleitet wurde. Er erhielt 2006 für seine Idee der Kreditvergabe an Bauern mit geringer Bonität gemeinsam mit seinem Institut den Friedensnobelpreis.

Aktuell existieren weltweit rund 10.000 Mikrofinanzinstitute, die Mikrokredite vorwiegend in Indien, Kambodscha, Kenia, Bolivien und Aserbaidschan verleihen. Das Kapital stammt zu knapp drei Vierteln aus drei Ländern: Der Schweiz (36 Prozent), den Niederlanden (23 Prozent) und Deutschland (15 Prozent). Wachstumstreiber unter den Anlegern sind vor allem institutionelle Investoren wie Pensionsfonds, Versicherungen und Banken, die von 2006 bis 2015 einen durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 27 Prozent beisteuerten.

Für deutsche Privatanleger nur magere Rendite

Laut einer Studie von Scope Analysis sind in Deutschland fünf Mikrofinanzfonds zum Vertrieb für Privatanleger zugelassen. Die weitaus größten nach Fondsvolumen sind der „Dual Return Funds – Vision Microfinance“ (506 Millionen Euro; ISIN: LU0236782842 ) des Fondsmanagers C-Quadrat Asset Management aus Wien (Kapitalverwaltungsgesellschaft: Axxion S.A.) sowie der „IIV Mikrofinanzfonds“ (541 Millionen Euro; ISIN: DE000A1H44T1) des Fondsmanagers Invest in Visions GmbH (KVG: Monega Kapitalanlagesellschaft GmbH).

Das Investment in Mikrokredite, das oft als Anlage mit gutem Gewissen gepriesen wird, kann wegen hoher laufender Verwaltungskosten allenfalls bescheidene Anlageergebnisse vorweisen. Von 12 Prozent Kreditzinsen oder mehr, die die Kreditnehmer in den Schwellenländer für einen Mikrokredite zahlen müssen, verbleiben den Anlegern aufgrund der hohen Kosten in der Regel weniger als 2 Prozent Rendite.

So ergaben sich im Ein- bzw. im Fünf-Jahres-Zeitraum (fünf Jahre: nur falls Daten vorhanden) laut comdirect (Stand: Ende April 2018) folgende Renditen:

  • Dual Return Funds – Vision Microfinance (ein Jahr: -0,14 Prozent; fünf Jahre: 8,50 Prozent),
  • Dual Return Fund – Vision Microfinance LC (ISIN: LU0533937727; ein Jahr: 5,34 Prozent; fünf Jahre: 0,86 Prozent),
  • IIV Mikrofinanzfonds (ein Jahr: –2,6 Prozent; fünf Jahre: 8,1 Prozent),
  • GLS Alternative Investments – Mikrofinanzfonds (ISIN: LU1309710678; ein Jahr: 0,5 Prozent),
  • KCD Microfinanzfonds II (ISIN: LU1106543249; ein Jahr: 1,8 Prozent).

Mikrofinanzfonds als Beimischung

Der Honorarfinanzanlageberater Volker Hildebrand, Vermögenswerkstatt in Lampertheim, empfiehlt eine Anlage in Mikrofinanzfonds allenfalls als kleine Beimischung. „Aufgrund der hohen institutionellen Mittelzuflüsse könnten sich bei einem Anlagewechsel dieser Investorengruppe ähnlich wie bei Immobilienfonds während der Finanzkrise Nachteile für  Privatanleger ergeben“, so Hildebrand. Auch sei umstritten, ob Mikrofinanzfonds tatsächlich der Armutsbekämpfung dienen.

 

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