1. Dezember 2017 | Von Eric Czotscher

Nichtbörsennotierte Indexfonds als Alternative zu ETFs

Investieren mit ruhigerer Hand / Gebühren sinken

Investieren mit nichtbörsennotierten Indexfonds verleitet weniger zu hektischen Trades. Bild: Mike Watson/Thinkstock

Finanzberater haben sich bei ihren Empfehlungen für „passive“ bzw. indexnahe Investments bislang vor allem auf ETFs konzentriert. Diese werden in der Regel nicht über die emittierende Investmentgesellschaft gehandelt, sondern über die Börse im Sekundärmarkt. Der Markt für börsengehandelte Indexfonds ist in den vergangenen Jahren sprunghaft gewachsen. Aufgrund des starken Wettbewerbs und der einfachen Vergleichbarkeit von ETFs sind die Kosten für Standardprodukte, die etablierte und nach Marktkapitalisierung gewichtete Indizes abbilden, immer weiter zurückgegangen. Gleichzeitig hat sich die Vielfalt der ETFs erhöht, und es kommen immer exotischere und in gewisser Weise „aktivere“ Produkte auf den Markt – mit vergleichsweise hohen Gebühren; Stichworte: Smart-Beta-ETFs, Short-ETFs oder sogar aktive ETFs.

Die Praxis zeigt, dass institutionelle Anleger, aber auch viele Selbstentscheider ETFs nicht nur zur strategischen Assetallokation und für einen passiven Buy-and-Hold-Ansatz einsetzen, sondern auch zum taktischen Markettiming. Da ETFs jederzeit an der Börse handelbar sind, verführen sie Selbstentscheider zu verstärkter Aktivität im Vergleich zu nichtbörsennotierten Fonds. Die Regel „Hin und her macht Taschen leer“ zeigt sich typischerweise in einer Underperformance aktiver ETF-Investoren im Vergleich zur Marktrendite.

Drang zum Handeln bremsen 

So stellt sich die Frage nach alternativen Anlageprodukten, die zwar ebenfalls index- bzw. marktnah investieren, breit diversifiziert sind, geringe Kosten haben und transparent sind, aber im Vergleich zu ETFs zu einem entspannteren Investieren mit langem Atem motivieren.

Einige Honorarberater empfehlen ihren Kunden schon heute neben oder statt ETFs Assetklassenfonds bzw. Portfoliolösungen von Dimensional Funds Advisors (DFA). Die DFA-Produkte investieren ebenfalls marktnah, orientieren sich aber anders als ETFs nicht an etablierten Marktindizes, sondern decken unterschiedliche Assetklassen mit eigenen Auswahlmethoden ab. Diese beruhen ebenfalls auf Prognosefreiheit und breiter Diversifikation, berücksichtigen darüber hinaus aber auch Renditefaktoren, wie sie Finanzwissenschaftler wie Eugen Fama und Kenneth French erforscht haben. Hier gibt es Überschneidungen mit Smart-Beta- ETFs. Außerdem bietet Dimensional Finanzberatern Schulungen und unterstützt sie dabei, nachhaltige Geschäftsmodelle auf Honorarbasis aufzubauen. So haben Privatanleger nur über Honorarberater oder bestimmte Robo-Advisors Zugang zu DFA-Produkten.

Nichtbörsennotierte Indexfonds fliegen unter dem Radar

Doch es gibt eine weitere Alternative, der Anleger und Finanzberater in Deutschland bislang wenig Beachtung schenken, die aber europaweit ungefähr gleich viel Gewicht auf die Waage bringt wie ETFs: nichtbörsennotierte Indexfonds. Im Prinzip eröffnen diese Fonds ähnlich kostengünstige, transparente, breit diversifizierte und marktnahe Anlagemöglichkeiten wie ETFs. Es handelt sich ebenfalls um Fonds, die „passiv“ vorgegebene Marktindizes nachbilden.

Allerdings werden diese primär nicht wie ETFs an der Börse gehandelt, sondern sie lassen sich wie aktive Invesmentfonds von den Emittenten bzw. über eine Depotbank beziehen; wobei es wie bei aktiven Investmentfonds auch Ausnahmen gibt. So sind beispielsweise die Indexfonds von Credit Suisse neben dem Direktbezug auch an den Börsen Stuttgart und Zürich handelbar.

Im Gegensatz zu vielen ETFs bilden nichtbörsennotierte Indexfonds den jeweiligen Marktindex in der Regel nicht synthetisch, sondern immer physisch nach, indem sie die im Index enthaltenen Wertpapiere tatsächlich kaufen. Außerdem verfolgen sie keine Short-Strategien. Viele Privatanleger bevorzugen ohnehin die Methode der physischen Replikation, weshalb auch einige ETF-Anbieter ihre Produkte entsprechend umgestellt haben oder andere ausschließlich physische Replikation  anbieten.

Nichtbörsennotierte Indexfonds (im Folgenden vereinfachend „Indexfonds“ genannt) sind sogar älter als ihre börsengehandelten Schwestern. Der erste Indexfonds in Europa – der „Handelsbanken Sverigefonds Index“ – wurde nach Angaben von Morningstar bereits 1958 in Schweden aufgelegt. Die europäische ETF-Geschichte reicht dagegen nur bis 1999 zurück: damals legte Credit Suisse einen ETF auf den Schweizer Index SMI auf. Da Credit Suisse ihr ETF-Geschäft 2013 an Blackrock verkauft hat, trägt dieser ETF heute den Namen „iShares SMI“.

Während Indexfonds bei deutschen Anlegern wenig bekannt sind, sind sie in Schweden, Großbritannien oder in der Schweiz verbreitet. Das hat u.a. steuerliche Gründe: In der Schweiz fällt beim Kauf von Indexfonds anders als bei ETFs keine Stempelsteuer an. So liegt das Volumen der ausschließlich in der Schweiz vertriebenen Indexfonds laut Morningstar bei 174 Milliarden Euro, während es in Deutschland nur 1 Milliarde Euro sind. Insgesamt waren mit Stand Ende Juli 2017 europaweit 604 Milliarden Euro in ETFs und 601 Milliarden Euro in Indexfonds investiert.

Bevorzugt institutionell investiert

Unter Indexfondsinvestoren überwiegen institutionelle Anleger. Mit insgesamt 173 Fonds ist die Auswahl europäischer Indexfonds laut Morningstar größer, als man zunächst vermuten mag. Immerhin 102 davon sind auch Privatanlegern zugänglich, allerdings nur 40 ohne bzw. ohne nennenswerte Mindestanlage. Die größten Anbieter sind Blackock, Vanguard und Credit Suisse.

Die zwei volumenstärksten in Europa verkauften Indexfonds, der Blackrock ISF Dev Wld Idx Sub $ Flex Acc (10,3 Milliarden Euro) und der Blackrock ISF Emerg Mkts Idx £ Flex Acc (9 Milliarden Euro), erfordern je eine Mindestanla- ge von 1 Million Euro. Der drittgrößte Indexfonds, der Vanguard Global Stock Idx Ins USD (8,7 Milliarden Euro), ist nur institutionellen Investoren zugänglich. Die drei größten Indexfonds ohne oder mit minimaler Mindestanlage für Privatinvestoren sind der State Street World Index Eqty Fd P (3,3 Milliarden Euro), der Pictet-USA Index P USD (2,2 Milliarden Euro) und der Northern World Custom ESG Eq Idx A (2,2 Milliarden Euro).

Ruhige Hand in unruhigen Zeiten 

Der Börsenhandel ist der wesentliche Unterschied zwischen Indexfonds und ETFs. ETFs sind ein Tradingprodukt, und beim Kauf entstehen Handelskosten. Anleger bzw. Finanzberater sollten beim ETF-Kauf deshalb die Besonderheiten des Börsenhandels beachten, um etwa die Handelskosten (Broker- und Börsenkommission), aber auch die Geld-Brief-Spanne (Spread) zu minimieren. Dabei sind Besonderheiten wie Handelswege und Handelszeiten bzw. die Liquidität des Marktes zu beachten. Der Vorteil der Börse: ETF-Preise und Spreads sind transparent. Der Anleger weiß, zu welchem Preis er kauft. In unruhigen Börsenzeiten kann sich der Spread allerdings extrem ausweiten. Dadurch kann es in Ausnahmefällen kurzfristig zu nennenswerten Abweichungen zwischen Nettoinventarwert und ETF-Preis kommen (siehe Tabelle unten).

Bei Indexfonds wird der Preis, der dem Nettoinventarwert („Net Asset Value“, NAV) entspricht, nur einmal täglich zum Börsenschluss festgestellt, was den Regeln der Referenzindizes entspricht. Damit liegt die ausgewiesene Wertentwicklung des Indexfonds sehr eng am Referenzindex. Zum Zeitpunkt der Order ist der genaue Preis allerdings noch nicht bekannt. Für Langzeitinvestoren ist dies kein entscheidender Nachteil. Die Fondsgesellschaft kann darüber hinaus aber Ausgabe- oder Rücknahmeaufschläge erheben.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier auf den Seiten 13 bis 16.

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