16. April 2018 | Von Ulrich Lohrer

Immobilienfonds in Abwicklung: Abschläge über 50 Prozent

Nachfrage nach „aktiven“ offenen Immobilienfonds ist dennoch ungebrochen hoch

Offene Immobilienfonds investieren weltweit, u.a. in Düsseldorf. Schöne Fotos können trügen. Fonds in Abwicklung bringen bis über 50 Prozent Verluste für Anleger (Bild: Thinkstock/kotomiti).

Zehn Jahre nach der Insolvenz der Investmentbank Lehmann Brothers im Jahre 2008 und der darauf folgende Schieflage zahlreicher offener Immobilienfonds hat Scope Analysis die Abwicklung der damals geschlossenen Fonds unter die Lupe genommen. Der Mittelwert über alle abgewickelten Fonds liegt bei einem Verlust von rund 22 Prozent. Insgesamt wurden 18 offene Immobilienfonds mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt 26 Milliarden Euro  geschlossen und anschließend abgewickelt. Zwar sind auch neun Jahre nach den ersten Fondsschließungen noch nicht alle Immobilien veräußert. Dennoch zeigt sich bereits jetzt recht klar, wie hoch die Verluste sind werden und was die wichtigsten Faktoren für das Abwicklungsergebnis waren.

Das Spektrum geht weit auseinander: Einige Fonds, so der DEGI Global Business (- 54,8 Prozent) und der Morgan Stanley P2 Value – 52,5 Prozent)  haben seit dem 30. September 2008 mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Auf der anderen Seite steht aktuell der KanAm Spezial grundinvest, der im Zuge der Abwicklung sogar einen leichten Vermögenszuwachs (0,8 Prozent) erzielte.

Ein klarer Zusammenhang besteht zwischen Verlusthöhe und  Objektgröße: Je größer die Objekte, desto geringer der Verlust beim Verkauf.

Elf Fonds suchen noch Käufer

Von den 18 betrachteten Fonds haben sieben ihr Portfolio bereits vollständig abgebaut. Neun Fonds besitzen noch eine einstellige Objektzahl. Nur die beiden Fonds CS Euroreal und SEB ImmoInvest müssen noch größere Portfoliobestände veräußern. Deren Wert wird derzeit auf 765 Millionen Euro bzw. 634 Millionen Euro taxiert. Diese zwei Fonds sowie der KanAm grundinvest sind die drei Fonds, die auch heute noch an der Börse mit dem größten Volumen gehandelt werden. Allerdings wurden diese drei in Abwicklung befindlichen Fonds zeitweilig (Mai 2012  bis Dezember 2013) sogar zu einem großen Abschlag von ihrem Nettoinventarwert gehandelt.

Hohe Geldzuflüsse für nicht geschlossene offene Fonds

Nicht in Abwicklung befindliche bzw. neue offenen Immobilienfonds weisen in den vergangenen drei Jahren hohe Geldzuflüsse auf. Allein zwischen Januar 2017 und Januar 2018 erhöhte sich ihr Nettovermögen laut Branchenverband BVI  um 746 Millionen Euro auf insgesamt knapp 91 Milliarden Euro. Im Januar 2015 lag es noch bei rund 81 Milliarden Euro betragen. Den größten Bestand wiesen Ende Januar 2018 mit Abstand  Union Investment (32 Milliarden) und DekaBank (28,8 Milliarden Euro) auf.

 

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