12. Februar 2018 | Von Kay Schelauske

Transaktionskosten bei Fondsauswahl beachten!

Finanzberater sollten Transparenzgewinne wegen MiFID-2 nutzen

Kostentransparenz hilft Fondssparern Risiken zu begrenzen (Bild: Thinkstock/Pogonici).

Kostentransparenz ist beim Fondskauf unerlässlich. Die Transaktionskosten bilden hier keine Ausnahme. Seit 1. Januar 2018 soll die überarbeitete Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID-2) für mehr Klarheit sorgen.

Bislang wurden – allerdings nur in den Jahresberichten der Fondsgesellschaften – die „expliziten“ Transaktionskosten ausgewiesen. Beispielsweise sind damit beim Kauf und Verkauf von Aktien die Buchungsgebühren für die Depotbank, die Brokergebühren und Transaktionssteuern gemeint. Im Zuge von MiFID-2 sind diese Kosten nun einschließlich der „impliziten“ Transaktionskosten in die Produktkosten einzubeziehen, heißt es von Seiten des Deutschen Fondsverbands BVI. Der Finanzberater muss diese als eigenständige Position zusammen mit anderen Kostenangaben wie dem Ausgabeaufschlag und der Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio – TER), den Beratungskosten und erhaltenen Provisionen gegenüber dem Kunden ausweisen.

Preiswirkung großer Orders

Bei den impliziten Kosten handelt es sich um Geld-Brief-Spannen und Kosten des Preiseinflusses. Diese entstehen durch die Transaktion selbst. Prof. Dr. Lutz Johanning, Inhaber des Lehrstuhls für Empirische Kapitalmarktforschung an der WHU – Otto Beisheim School of Management, gibt ein Beispiel: „Kauft ein Fonds ein großes Volumen einer Aktie, so wird der Preiseinfluss in der Regel größer sein als bei einem kleinen Ordervolumen.“ Daher hänge die Höhe der Transaktionskosten stark vom Anlageuniversum ab. Bei Aktien könnten sie durchaus bis zu 1 Prozent pro Jahr betragen, schätzt er.

Prof. Dr. Lutz Johanning: „Transaktionskosten hängen vom Anlageuniversum ab“ (Bild: WHU – Otto Beisheim School of Management).

Von daher begrüßt der Kapitalmarktforscher die im Zuge von MiFID-2 erweiterte Kostentransparenz. „Anleger können somit schon zum Zeitpunkt des Erwerbs die Kosten und den potenziellen Einfluss auf die Performance einschätzen.“ Johanning gibt gleichzeitig zu bedenken, dass die Offenlegung vieler Kostendetails die Anleger verwirren könnte. „Das wird eine Transparenzkatastrophe“, erwartet  auch Hartmut Petersmann. Der Geschäftsführer des Petersmann Instituts für den unabhängigen Finanzberater bezweifelt, dass der zusätzliche Kostenausweis dem Anleger helfen werde, eine fundierte Anlageentscheidung unter Berücksichtigung der Kosten zu treffen. In einer Studie hatte das Institut bereits 2015 auf deutlich überhöhte Transaktionskosten von bis zu 2 Prozent p.a. bei vielen Aktienfonds hingewiesen.

Finanzberater müssen mehr erklären

Für den Finanzberater heißt das einmal mehr: aufklären – zumal die Transaktionskosten in den Produktkosten der „wesentlichen Anlegerinformationen“ (OGAW-KIID) bei vielen Fonds aufgrund einer Übergangsfrist bis Ende 2019 noch nicht enthalten sein müssen. Gerade in Zeiten, in denen es faktisch keinen risikolosen Zins mehr gibt, dürfte sich diese Aufklärung auszahlen. Denn Erträge können nur durch das Eingehen von Risiken generiert werden. Mit jedem zusätzlichen Prozentpunkt an Kosten muss der Berater mit seinem Anleger eine Sprosse höher auf der Risikoleiter steigen, um dieselbe Rendite zu erzielen. Petersmann bringt es so auf den Punkt: „Je besser und günstiger der Berater und Vermögensverwalter seine Fonds aussucht, desto mehr Spielraum bleibt für ihn bzw. für die Performance des Kunden.“

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