9. Februar 2018 | Von Ulrich Lohrer

Ungenutztes Sparerpotenzial

Aktuelle Studie zu vermögenswirksamen Leistungen: sieben Millionen nutzen Sparchance nicht

Arbeitgeber und Staat helfen Arbeitnehmern beim Vermögensaufbau (Bild: Thinkstock/demaerre).

Sieben Millionen Beschäftigte lassen ihre Ansprüche auf vermögenswirksame Leistungen in Höhe von insgesamt 1,6 Milliarden Euro jährlich verfallen. Dies ist das Ergebnis einer Studie des CFin – Research Center for Financial Services unter Federführung von Prof. Dr. Jens Kleine, Professor für Bankmanagement und Finanzwirtschaft an der Hochschule München,  im Auftrag der European Bank for Financial Services (ebase). Als vermögenswirksame Leistungen (VL) überweist ein Arbeitgeber freiwillig oder aufgrund eines Tarifvertrags einen bestimmten Betrag in eine vom Arbeitnehmer gewählte Anlage. Für Bankangestellte sind 40 Euro pro Monat, für Beamte 6,65 Euro monatlich üblich.

Staatliche Sparzulage kommt dazu

Bis zu bestimmten Einkommensgrenzen erhalten die Arbeitnehmer auf die VL gemäß dem Fünften Vermögensbildungsgesetz zudem eine staatliche Sparzulage. Bei einer Anlage in Wertpapiere – wie Aktienfonds – zahlt der Staat bei einem VL-Betrag bis 400 Euro pro Jahr eine Sparzulage von 20 Prozent, sofern die Einkommensgrenze von 20.000 Euro – für gemeinsam veranlagte Verheiratete bis 40.000 Euro – nicht überschritten wird. Maximal können also 400 Euro VL plus 80 Euro Sparzulage pro Jahr gespart werden. Bausparverträge werden bis 470 Euro pro Jahr mit einer Sparzulage von 9 Prozent gefördert. Werden beide Sparanlagen nebeneinander bespart, werden vermögenswirksame Leistungen sogar bis maximal 870 Euro pro Jahr subventioniert.

Über 20 Millionen haben Anspruch auf VL

Aufgrund der Auswertung verschiedener Quellen wurden in der Studie die Zahl der Anspruchsberechtigten von vermögenswirksamen Leistungen auf mehr als 20 Millionen Menschen geschätzt, wobei diese aber nur etwa 13 Millionen ihren Anspruch nutzen. Werden die VL bis zu monatlich 40 Euro in rentable und kostengünstige Anlagen wie in einen ETF-Sparplan investiert, kann langfristig eine durchaus ansehnliche Summe gespart werden. Ergibt sich beispielsweise mit der Anlage in den breit gestreuten Aktienindex MSCI World eine vergleichbare Rendite wie im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahren (etwas mehr als 5 Prozent pro Jahr), so würde bei 40 Euro pro Monat in 30 Jahren eine Summe von mehr als 34.000 Euro zusammenkommen.

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