17. Mai 2018 | Von Eric Czotscher

FinTechs arbeiten bei PKV und Vorsorge zusammen

fairr.de und ottonova stimmen Angebote aufeinander ab / Finanzberater können kooperieren

Der Deutsche Ärztetag hat den Landesärztekammern im Mai 2018 die Freigabe von Fernbehandlungen empfohlen. Beim Digitalversicherer ottonova ist bereits heute Telemedizin Made in Switzerland im Programm (Bild: Thinkstock/verbaska_studio).

Der digitale Vorsorgeentwickler und -vermittler fairr.de, bekannt für geförderte ETF-Fondssparpläne wie „fairriester“ und „fairrürup“, arbeitet ab sofort mit ottonova, dem ersten digitalen privaten Krankenversicherer in Deutschland, zusammen. Durch Kombination beider Dienstleistungen sollen Kunden effektiv und steueroptimiert vorsorgen – für Gesundheit und Ruhestand.

Die Kooperation basiert zunächst auf einem gemeinsamen Vorsorgerechner und einem koordinierten Marketing. Beide Anbieter arbeiten ohne Provisionen und sind auf den Direktvertrieb ausgerichtet, ergänzt durch Kooperationen mit Honorarberatern bzw. Vermittlern.

Vorsorge für höhere Versicherungsbeiträge im Alter

Da privat Versicherte im Alter meist höhere Beiträge zahlen als gesetzlich Versicherte, empfiehlt es sich, eine eigene Altersreserve aufzubauen. ottonova bietet seinen Versicherten zwar eine Beitragsentlastung im Alter an. Diese lässt sich aber gut durch eine geförderte Altersvorsorge ergänzen, um die Reserve zu erhöhen. Bei den ETF-Sparplänen von fairr.de lassen sich die Instrumente Rürup, Riester und bAV im sogenannte Vorsorge-Cockpit so miteinander kombinieren, dass der Versicherte optimal von staatlicher Förderung und Kapitalmarktrendite profitiert.

Dr. Roman Rittweger, CEO von ottonova, will durch die Kooperation mit fairr.de neue Kunden gewinnen und die Vorsorge optimieren (Bild: ottonova).

Dr. Roman Rittweger, CEO von ottonova, zu den Vorteilen der Kooperation: „Mit fairr.de können wir unseren Kunden eine weitere Option bieten, die durch einen Wechsel von der GKV in die PKV eingesparten Beiträge anzulegen, so dass sie im Alter finanziell abgesichert sind.“

Dr. Alexander Kihm, Produktleiter bei fairr.de, setzt auf Transparenz und effiziente Produkte. Er schätzt ottonovas innovativen Ansatz (Bild: fairr.de).

Auf der Website fairr.de/ottonova können sich Versicherte ihre Beitragsersparnis durch den Wechsel zu ottonova berechnen lassen. „Der Rechner zeigt in Echtzeit die Beitragsersparnis und berechnet daraus die Höhe einer privaten Zusatzrente. Damit stellen wir komplexe finanzielle Zusammenhänge anschaulich dar ähnlich wie in unserem Vorsorge-Cockpit“, sagt Dr. Alexander Kihm, Produktleiter bei fairr.de.

Vorreiter in Sachen Effizienz …

Das 2017 gegründete Münchner Startup ottonova agiert als Risikoträger mit eigener BaFin-Lizenz. Die Debeka ist mit einem Zehntel an ottonova beteiligt, hält sich aber nach Angaben des Unternehmens aus dem operativen Geschäft heraus. fairr.de ist dagegen reiner Produktentwickler und -vermittler mit Zulassung nach § 34d und 34f GewO und kooperiert in der Vermögensverwaltung mit der Sutor Bank.

Das Herzstück von ottonova sind zwei Premiumtarife („Business Class“ und „First Class“) in Kombination mit einer innovativen Smartphone-App, die eine komplett digitale Abwicklung von Rechnungen und Dokumenten, einen „Concierge-Service“ und eine Patientenchronik bietet. Nach Angaben des Unternehmens werden digital übermittelte Rechnung innerhalb weniger Stunden erstattet.

… und Komfort

ottonova-Kunden können die App sogar nutzen, um sich über Videotelefonie aus der Ferne bei einem Arzt behandeln zu lassen, ohne diesen persönlich aufzusuchen. Der Arzt kann den Patienten sogar krank schreiben. Da die Fernbehandlung (Telemedizin) in Deutschland erst eingeschränkt zulässig ist, insbesondere bei der Erstbehandlung, arbeitet ottonova hier mit dem Dienstleister eedoctors in der Schweiz und ausschließlich in der Schweiz zugelassenen und ansässigen Ärzten zusammen. Das Angebot ist in der Einführungsphase komplett kostenfrei nutzbar.

ottonova kommt bislang vor allem bei jungen und IT-affinen Kunden an. In diesem Jahr will ottonova erstmals die 1.000er-Marke bei den Vollversicherungen durchbrechen. Dazu könnte auch die Kooperation mit fairr.de beitragen. Das Prämienniveau liegt im deutschen Mittelfeld. Es handelt sich um Nettotarife ohne Provision. Bei der Kalkulation ist ottonova eher konservativ, um Beitragsstabilität zu gewährleisten. Neben der Vollversicherung gibt es auch Zusatztarife zum Beispiel für Zahnbehandlungen.

ottonova arbeitet bei der Kundengewinnung auch mit Vermittlern und Honorarberatern zusammen. Diesen zahlt Versicherer eine Tippgeberprämie für Kundenempfehlungen. Sollte das Tippgeberschäft schnell wachsen, könnte ein eigener Beraterzugang dazukommen – ähnlich wie bei fairr.de. Ein Rabatt auf die Prämien von Beraterkunden, wie ihn fairr.de auf seine Gebühren anbietet, ist nicht geplant.

Telemedizin in Deutschland noch am Anfang

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