12. April 2018 | Von Detlef Pohl

Hausratversicherung: Große Preisunterschiede

„Finanztest“ untersucht Tarife von 60 Versicherern / Wenig Rat bezüglich Leistungsunterschiede

Wenn der Schaden da ist, ist es zu spät. Verbraucher benötigen für die passende Hausratversicherung nicht nur einen Preis-, sondern auch einen Leistungsvergleich (Bild: Thinkstock/AntonioGuillem).

Kaum zu glauben: Die Stiftung Warentest hat in der April-Ausgabe von „Finanztest“ 144 Hausrattarife von 60 Anbietern unter die Lupe genommen, aber keine Testurteile oder Noten vergeben. Denn vordergründig geht es um den Preis.

Anders als früher wird ausdrücklich zu Tarifen mit Verzicht auf die Einrede grober Fahrlässigkeit geraten. Ansonsten lässt der Test die Verbraucher eher ratlos zurück. Denn angesichts immer differenzierterer Versicherungsleistungen sind sie auf fachkundigen Rat nicht nur bezüglich Preise angewiesen. Lediglich sieben Leistungspunkte werden tabellarisch kurz skizziert, aber nicht bewertet:

  • Außenversicherung,
  • Hotelkosten bei unbewohnbarer Wohnung,
  • Lager- und Transportkosten bei nötiger Zwischenlagerung des Hausrats,
  • Einbruchdiebstahl aus Kfz sowie aus Schiffskabinen,
  • Diebstahl von Gartenmöbeln und
  • Nachtschutz für Fahrräder.

Diese Leistungen sind im Beitrag enthalten, aber in unterschiedlichem Umfang und bis zu unterschiedlichen Sublimits. Dem trug „Finanztest“ in einer Tabelle durch ein Punktesystem (ein bis vier Punkte) Rechnung, das aber nur bedingt Klarheit für Verbraucher bringt.

Nach Kritik am letzten Hausrattest von 2016 verlangen die Warentester erstmals von den Versicherern, den Verzicht auf die Einrede grober Fahrlässigkeit bei Herbeiführung eines Schadens als Leistung aufzunehmen. Andere Tarife kamen gar nicht in die Bewertung. Nun gibt es bei allen untersuchten Tarifen volle Entschädigung, wenn zum Beispiel die Wohnung verlassen wurde, während der Herd noch angeschaltet war, und es so zu einem Brand kam. Als Mindestschutz legte „Finanztest“ fest: Bei Überspannungsschäden wird bis mindestens 10 Prozent der Versicherungssumme geleistet, für Wertsachen mindestens 20 Prozent und bei einfachem Fahrraddiebstahl mindestens 1.000 Euro.

Hohe Preisunterschiede machen Wechsel lukrativ

Das Muster für den preisorientierten Tarifvergleich ist ein Angestellter mit 45 Jahren, der in einer 100-Quadratmeter-Eigentumswohnung im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses wohnt. Es handelt sich um einen Neuvertrag mit einjähriger Laufzeit und jährlicher Zahlungsweise, keine Vorschäden in den vergangenen fünf Jahren, Versicherungssumme: 65.000 Euro. Getestet wurden nur Tarife, die auch ohne Vermittler direkt bei der Versicherungsgesellschaft abgeschlossen werden können. Nicht untersucht wurden Deckungskonzepte, Spezialtarife für den öffentlichen Dienst und Nettotarife.

„Die Preisunterschiede sind dramatisch“, so die Tester. In München kostet demnach das günstigste Angebot 56 Euro Jahresbeitrag (Schwarzwälder Versicherung; Tarif „Exklusiv Fair Play Direkt“). Das teuerste kommt auf 277 Euro (Arag Allgemeine; Tarif „Premium“). Ein Wechsel bringe häufig eine große Ersparnis, bei Altverträgen zudem auch meist einen Leistungszuwachs, so die Tester.

In Köln, wo häufiger eingebrochen wird und der Rhein regelmäßig über die Ufer tritt, schwankt der Preis zwischen 131 Euro (Medien-Versicherung; Tarif „Premium“) und 516 Euro (Allianz; Tarif „Sicherheit Best“). Ebenfalls preisgünstig in der Domstadt ist der schon genannte Tarif der Schwarzwälder Versicherung (147 Euro) sowie die Ammerländer Versicherung (Tarif „Comfort“) mit 162 Euro.

Elementarschaden zusätzlich versichern

Die genannten Beiträge gelten ohne Elementarschadenzusatz. Dieser lässt sich aber gegen Aufpreis überall draufsatteln. Angebote der Ammerländer, der Docura, Medien-Versicherung und der Schwarzwälder sind auch hier verhältnismäßig günstig. Dagegen verlangt etwa die Allianz im Tarif „Sicherheit Plus“ in Köln satte 103 Euro Elementarschadenzuschlag, während sich die Masse mit der Hälfte zufriedengibt.

Ein Blick in die Gesamttabelle von „Finanztest“ offenbart allerdings elf unterschiedliche Einschränkungen hinsichtlich der Annahmevoraussetzung (Vorschadensituation) für die Elementardeckung. Bei der Ammerländer etwa dürfen keine Vorschäden in den vergangenen zehn Jahren aufgetreten sein, während bei der Docura maximal zwei Schäden in den vergangenen zehn Jahren unschädlich für die Annahme sind. Bei der Schwarzwälder erfolgt bei Vorschäden eine Einzelfallprüfung. Zudem verlangen im Schadenfall praktisch alle Gesellschaften einen Selbstbehalt des Kunden, der damit auf Kosten zwischen 250 und 3.000 Euro bei Elementarschäden sitzen bleibt.

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