17. Mai 2018 | Von Detlef Pohl

Aktuelle Studie: Moderater Beitragsanstieg in der PKV

Aber nur wenige Versicherer stellen sich Rating / Erstmals auch Rentnertarife im Map-Report

Verbraucher sollten beim Anschluss einer privaten Krankenversicherung auf die langfristige Kostenentwicklung schauen, um im Alter keine böse Überraschung zu erleben. Der neue "Map-Report" bietet einen guten Überblick über einen Teil der Anbieter (Bild: Thinkstock/AlexRaths).

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Beitragssteigerungen der privaten Krankenvollversicherung (PKV) im Alter unter Beobachtung stellen. Zu Recht? „Die Zahlen zeigen, dass die Probleme längst nicht so schlimm sind, wie oft dargestellt“, sagt Uwe Laue, Vorstandsvorsitzender des Marktführers Debeka und Chef des PKV-Verbands. Die Debeka liefert Daten der letzten 20 Jahre aus dem eigenen Hause. Dabei wurden die Geburtsjahrgänge 1974 und älter erfasst, die zwischen 1995 und 2015 durchgehend vollversichert waren.  Die Daten wurden vom Berliner IGES-Institut, das auf öffentliche Infrastruktur spezialisiert ist, in der Studie „Beitragsentwicklung in der PKV“ ausgewertet.

Ergebnis für Debeka-Versicherte: Bei Selbständigen und Angestellten belief sich der Durchschnittsbeitrag für einen 71- bis 80-Jährigen auf 413 Euro (für einen 41- bis 50-Jährigen auf 359 Euro). Zum Vergleich: Er zahlte somit etwa 8 Euro weniger als ein GKV-Versicherter mit durchschnittlichem Bruttoeinkommen, der 2015 auf 421  Euro Monatsbeitrag kam.

Günstiger kamen Beihilfeberechtigte weg, etwa Beamte. „Beamte bekommen, wenn sie einen günstigen Beihilfetarif haben, mit der PKV einen guten und bezahlbaren Versicherungsschutz“, bestätigt Harald Peschken, Präsident des Bundesverbands der Versicherungsberater (BVVB).

Debeka-Zahlen: Durchschnittlich 2,9 Prozent mehr pro Jahr

Die mittlere jährliche Prämienveränderung betrug für alle Versicherten zwischen 1995 und 2015 durchschnittlich rund 2,9 Prozent. Individuell betrachtet und von Jahr zu Jahr variieren die Prämienveränderungen allerdings stark. Ein Teil der Erhöhungen geht auf den gesetzlichen Beitragszuschlag zurück, der Anfang 2000 schrittweise eingeführt wurde, um die Beiträge für privat Vollversicherte ab dem Alter von 65 Jahren stabil zu halten.

Von vergleichsweise starken Prämiensteigerungen waren lediglich 6 Prozent der Angestellten und Selbständigen betroffen – mit satten 5 Prozent Beitragssteigerung pro Jahr. In der Gruppe mit den geringsten Prämienveränderungen stiegen die Beiträge bei Arbeitnehmern und Selbständigen im Mittel um 1,9 Prozent.

Für etwa 20 Prozent der untersuchten Versicherten war die Beitragsentwicklung allerdings sprunghaft. Dies betraf immerhin 41 Prozent Arbeitnehmer und Selbständigen. Ursache waren laut Studie meist individuell vereinbarte tarifliche Änderungen, weil die Betroffenen etwa ihren Erstattungsanteil erhöhten oder ihre Prämien im Alter vorsorglich durch zusätzliche Einzahlungen in jüngeren Jahren dämpfen wollten.

Für den PKV-Fachmakler Frank Dietrich aus Potsdam sind ganzheitliche Beratung und die nachhaltige Kundenbeziehung das A und O in der Krankenversicherung  (Bild: Dietrich).

„Berater sollten die PKV nicht vordergründig über Ergebnisse in Vergleichsrechnern oder die Beitragshöhe vermitteln; es kommt auf die Individualbetrachtung und ganzheitliche Beratung an“, sagt Frank Dietrich, Geschäftsführer der Frank Dietrich Fachmakler GmbH in Potsdam.

Wechsel von der GKV in PKV gut überlegen

Skepsis bleibt, wenn ein Beamtenversicherer wie die Debeka mit seinem riesigen Kollektiv, geringen Abschlussaufwendungen und solider Anlagepolitik für die PKV-Branche insgesamt sprechen will. Denn dort gibt es ganz andere Ausreißer. Neutrale Untersuchungen wie das jährliche Bilanzrating des Branchendienstes „Map-Report“ sind deshalb aussagekräftiger. Zwar stammen auch hier die Zahlen von den Unternehmen, aber nach zuvor festgelegten Kriterien und in vergleichbarer Form.

„Wer sich dazu entschließt, vom gesetzlichen ins private System zu wechseln, lässt sich in der Regel auf eine lebenslange Beziehung ein. Da ist es sinnvoll, Details über seinen zukünftigen Gesundheitsmanager zu wissen“, sagt Chefredakteur Reinhard Klages.

Dies bestätigt Dietrich: „Ein Wechsel in das private System sollte nur aus Gründen der Leistung erfolgen, Tumorerkrankte etwa haben weit bessere Behandlungsmöglichkeiten in der PKV als in einer gesetzlichen Kasse.“ Gleichwohl warnt der Makler vor Billigtarifen. „Rund 20 Prozent der privaten Anbieter bilden lediglich das gesetzliche Leistungsniveau ab, viele Kunden sind im Einzelfall gar unter dem gesetzlichen Niveau versichert – das halte ich für einen Beratungsfehler.“

Neuer Map-Report

Die 15 Teilnehmer im „PKV-Rating“ von Map-Report, die für 60 Prozent des Marktes stehen, erhöhten Anfang 2018 ihre Beiträge nur moderat um durchschnittlich 2,9 Prozent. Ein Jahr zuvor war der Anstieg mit 6,6 Prozent gegenüber 2016 noch fast doppelt so hoch. Im untersuchten Zeitraum 2000 bis 2018 lag die durchschnittliche Beitragserhöhung in der Beispielrechnung eines Angestellten im Branchenschnitt bei 3,8 Prozent.

Der „Map-Report“ hat neun PKV-Anbieter als Spitzenreiter im Bilanzrating identifiziert und ein wichtiges Indiz für Makler geliefert, mit wem sie sich im Interesse ihrer Kunden einlassen sollten: „Hervorragend“ wurden Debeka, Provinzial Hannover, Signal, SDK, Alte Oldenburger, R+V, LVM, Barmenia und Huk-Coburg eingestuft. „Sehr gut“ schnitten Allianz, Pax, HanseMerkur, Concordia und DKV ab. Die Mecklenburgische wurde für „gut“ befunden.

Andere Versicherer haben aus unterschiedlichen Gründen nicht teilgenommen, so dass sich mutmaßen lässt, dass die Beitragserhöhungen branchenweit stärker ausgefallen sein könnten als unter den Ratingteilnehmern. Dem widerspricht Walter Botermann, Vorstandschef der Halleschen Krankenversicherung: „Ein Blick auf die vergangenen zehn Jahre zeigt: Die durchschnittliche Entwicklung der Beitragseinnahmen der PKV liegt in etwa auf dem Niveau der gesetzlichen Kassen.“

Walter Botermann, Hallesche Krankenversicherung, sieht die PKV bei den Beitragsanpassungen langfristig in etwa auf dem Niveau der GKV (Bild: Hallesche).

Das sei kein Zufall. Denn es gäbe klare Regeln für die Beitragsanpassungen in der PKV gerade im Alter. Tarifliche Alterungsrückstellung und die Rückstellung aus dem gesetzlichen Zuschlag dienten nachweislich  dazu, die Beiträge konstant zu halten. „So wird bis zum Alter von 60 Jahren automatisch zusätzlich ein Zuschlag von 10 Prozent als Rückstellung angespart, die ab 65 zur Betragsreduzierung eingesetzt wird“, erklärt Botermann auf Nachfrage. Mit Eintritt in die Rente zahle zudem die gesetzliche Rentenversicherung meist einen Beitragszuschuss.

„Die Hallesche verwendet zusätzlich Überschussmittel zur Stabilisierung der Beiträge für Versicherte ab 80 Jahren, so dass unter diesen seit vielen Jahren keine Beitragsanpassung in der Krankheitskostenvollversicherung mehr erfolgt ist“, betont der Vorstandschef. „Im Einzelfall kann der monatliche PKV-Beitrag noch immer richtig wehtun, besonders im Alter“, sagt dagegen BVVB-Präsident Peschken.

Artikel teilen