7. September 2017 | Von Eric Czotscher

Gewinner der IDD sind die Makler

Eric Czotscher im Gespräch mit Axel Kleinlein, Sprecher des Vorstands des Bundes der Versicherten e.V. (BdV), zur Zukunft des Versicherungsvertriebs in Deutschland

Axel Kleinlein wünscht sich klare Trennung von Honorar- und Provisionsberatung. Bild: Eric Czotscher

Herr Kleinlein, das Gesetz zur Umsetzung der
EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) wird am 23. Februar kommenden Jahres in Kraft treten. Welche Folgen wird das Gesetz für Versicherungsvermittler und -berater in Deutschland haben?

Axel Kleinlein: Die Versicherungsmakler sind als eindeutige Gewinner aus dem Gesetzgebungsverfahren hervorgegangen. Quasi in letzter Minute wurde der ursprüngliche Entwurf geändert und die vorgesehene scharfe Trennung zwischen Provisions- und Honorarberatung aufgeweicht. Makler dürfen nun weiterhin mit Mischmodellen arbeiten und neben der Versicherungsvermittlung gegen Courtage auch Honorarvermittlung von Nettotarifen betreiben. Damit fehlt der entscheidende Impuls für eine unabhängige Honorarberatung durch Versicherungsberater. Die Honorarberatung wird damit klein und unbedeutend bleiben. Die Verlierer der Reform sind die Ausschließlichkeitsorganisationen. Hier erwarte ich die größten Einschnitte.

Die Koalition hatte sich beim Regierungsantritt die Förderung der Honorarberatung zum Ziel gesetzt. Nun sollen offenbar Makler die Honorarberatung in die Breite tragen … Ich zitiere den Abgeordneten Klaus-Peter Flosbach (CDU), der vor Verabschiedung des IDD-Gesetzes im Bundestag sagte: „Wir wollen in Zukunft die Honorarberatung stärken. Das geht ausschließlich über die Versicherungsmakler, und das haben wir jetzt mit dem Gesetzesentwurf in der Ausschussfassung geregelt. […] Wir haben in Deutschland 48.000 Versicherungsmakler. Sie arbeiten zum großen Teil in Versicherungsmaklerunternehmen mit 1.000 Beschäftigten, übrigens als Angestellte, die nicht auf Provisionsbasis arbeiten.“ Was halten Sie von dieser Aussage?

Ein klarer Fall von Etikettenschwindel! Für die Makler bleibt doch der Konflikt zwischen Vergütung und den Interessen ihrer Kunden weiter bestehen. Wie und vor allem wann wird ein Makler seinem Kunden erklären, dass er zwischen Provisions- und Honorarvergütung wählen kann? Makler werden doch nur dann das Honorarmodell empfehlen, wenn es für sie Vorteile bringt, also zum Beispiel dann, wenn sie vermuten, dass der Beratungsinteressent am Ende wahrscheinlich gar keine Versicherung abschließen wird.

Eine Reihe von Maklern hat erste Schritte in Richtung Honorarberatung unternommen, um von den Versicherern unabhängiger zu werden. So erheben manche Makler Servicegebühren für ihre laufende Betreuung, oder sie vermitteln Nettotarife gegen ein Honorar. Sind Sie persönlich eigentlich für die Honorarberatung?

In einer idealen Versicherungswelt gäbe es weder Provisionen noch Courtagen, vor allem nicht in der Sparte Leben. Bei Sachversicherungen besteht das Problem in dieser Form nicht, da der Kunde viel leichter wechseln kann. Doch wie kommen wir in diese ideale Welt? Der ursprüngliche IDD-Gesetzesentwurf wäre ein Schritt in die richtige Richtung gewesen, da er mit Hilfe eines Honorarannahmeverbots für Makler Provisions- und Honorarberatung klar voneinander getrennt hätte. So wären Interessenkonflikte abgebaut worden.

Ich bin nicht prinzipiell gegen die Versicherungsvermittlung durch Makler. Denn Deutschland braucht dringend gut aus- gebildete Vermittler, die ihre Kunden gut beraten! Deshalb pflegen wir als Verband auch enge Kontakte zu Maklern und tauschen uns regelmäßig mit ihnen aus. Ich warne nur vor Interessenkonflikten.

Man darf auch nicht übersehen, dass selbst Honorarberater Interessenkonflikte haben. Wer auf Stundenbasis arbeitet, könnte dazu neigen, mehr Zeit als nötig zu aufzuwenden und abzurechnen. Und die reine Honorarvermittlung verursacht fast dieselben Interessenkonflikte wie die Provisionsberatung, da in beiden Fällen nur ein Abschluss zur Vergütung führt.

Das vollständige Interview finden Sie hier auf den Seiten 3 bis 6.

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