11. Juli 2018 | Von Eric Czotscher

Leben Sie Ihre Berufung?

Die Suche nach dem Traumjob kann in die Irre führen

Ob angestellt oder selbständig, wer wünscht sich nicht, in seiner Arbeit auch seine Berufung zu finden und damit zu innerem und materiellem Reichtum zu gelangen? Seit Martin Luther kommt „Beruf von Berufung“, doch möglicherweise stimmt das so nicht …

Die Autorin Anja Niekerken, Persönlichkeitstrainerin und Führungscoach, stellt diese Idealvorstellung in Frage und konfrontiert sie mit dem Glück(-spotenzial), das in jeder„normalen“ Berufstätigkeit steckt. Unter dem provokativen Titel „ Montags muss ich immer kotzen – Erste Hilfe gegen Arbeitsübelkeit“ (Business Village 2018) hat sie einen Ratgeber geschrieben, der nicht nur montags Trost und Freude stiften kann.

Anders als der Titel vermuten lässt, hebt Niekerken zunächst vor allem die Vorteile einer geregelten Arbeit hervor und stützt sich dabei auch auf die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien und Experimente. So gibt der Beruf Menschen ein Gefühl von Zugehörigkeit. Wer arbeitet und Werte schafft, trägt zur Entwicklung der Gesellschaft bei bzw. kann sich einem Unternehmen zugehörig fühlen. Außerdem bietet ein Beruf Anerkennung und Status. Die Herausforderungen des Berufslebens unterscheiden sich, gerade da sie nicht immer angenehm sind, deutlich von denen des Privatlebens, die man sich zumindest teilweise selbst aussuchen kann.

Wer vom Beruf zu viel erwartet, wird garantiert enttäuscht. Autorin Anja Nierkerken holt die Leser in die Realität zurück (Bild: Business Village).

Hilfe zur Selbstanalyse

Als Ausgangspunkt für eine Selbstanalyse unterscheidet die Autorin zwischen Job, Karriere und Berufung. Dabei steht der Job für das notwendige Verdienen des Lebensunterhalts, die Karriere für berufliche Ziele und Erfolge und die Berufung für das, was man aus seinem Leben machen will. In den seltensten Fällen deckt der eigene Arbeitsberuf alle drei Facetten gleichzeitig ab. Manche finden ihre Berufung eher im Hobby oder machen in ihrer Freizeitbeschäftigung Karriere.

Niekerken plädiert für mehr Realismus: Was kann man von einem Job überhaupt erwarten? Muss er tatsächlich auch die Sinnfrage beantworten? Unter dem Motto „Wer seinen Job liebt – der hat einen guten Job (und nicht umgekehrt)“ ermuntert sie die Leser, Frieden mit ihrem Beruf zu schließen und allzu hohe Erwartungen herunterzuschrauben. Wer sich allerdings bei seiner täglichen Arbeit regelrecht quält, sollte sich nach Alternativen umsehen. Das Buch hilft dabei, neue Schritte zu gehen und – für Angestellte – auch über eine Selbstständigkeit oder Unternehmensgründung nachzudenken. ecz

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