17. Mai 2018 | Von Prof. Dr. Ralf Korn

Wie Finanzberater Simulationen in der Vorsorge nutzen

Beispiel Förderrenten: Offizielle Chancen-Risiko-Klassifizierung bietet guten Gesprächseinstieg für Berater und Kunde

Simulationen erlauben einen Blick in eine mögliche Zukunft. Bei der Altersvorsorge können Sie den Berater dabei unterstützen, das richtige Produkt auszuwählen (Bild: Thinkstock/AndreaObzerova).

CRK-Klassifizierung: Ein Rezept mit vier Zutaten

Der Prozess der Chancen-Risiko-Klassifizierung benötigt neben der Simulation der Kapitalmärkte weitere Angaben. Dazu gehören die Auswirkungen der Kapitalmarktentwicklung auf das angesparte Vermögen des Kunden und die sich da­raus ergebenden Chancen- und Risiko-Merkmale sowie ein Verfahren zur Einordnung des zu klassifi­zierenden Produkts in die fünf Chancen-Risiko-Klassen. Die Zutaten im Detail:

Erstens: Kapitalmarkt

Im Rahmen der Klassifizierung simulieren Experten des Fraunhofer Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) in Kaiserslautern jedes Jahr 10.000 zukünftige Entwicklungen des Kapitalmarkts im Hinblick auf Zinsen und die Aktienpreise. Dabei werden das „Zwei-Faktor-Hull-White-Modell“ für die Zinsentwicklung und ein verallgemeinertes „Black-Scholes-Modell“ für die Aktienpreisentwicklung verwendet. Bei der Wahl der Modellparameter fließen auch die jährlichen Prognosen der OECD ein.

Zweitens: Vertragsvermögen am Ende der Ansparphase

Auf Basis der Kapitalmarktsimulationen und unter Berücksichtigung der vom Anbieter bereitgestellten Produktbeschreibung (Anlagestrategie, Kostenstruktur) werden unterschiedliche Entwicklungen des Vertragsvermögens des Musterkunden berechnet. Es stehen dann 10.000 unterschiedliche Ablaufvermögenswerte zur Verfügung, und zwar jeweils für Sparzeiträume von 12, 20, 30 und 40 Jahren.

Drittens: Berechnung des Chancen- und Risikomaßes

Um daraus die Chancen und das Risiko des jeweiligen Produkts zu errechnen, werden die Werte auf zwei Kenngrößen verdichtet, das Chancenmaß C und das Risikomaß R.

Für C wird die Rendite berechnet, die bei einer gegebenen Ent­wicklung des Vermögens gerade dem Mittelwert der 10.000 simulierten Vermögen am Ende der jeweiligen Ansparphase entspricht. Anders ausgedrückt: Eine festverzinsliche Anlage mit einem Zins in Höhe des Chancenmaßes führt am Ende der Ansparphase zum berechneten Mittelwert für alle möglichen Endvermögen. Ein hohes Chancenmaß wird durch eine hohe Rendite ange­zeigt.

Um R zu bestimmen, werden nur die 2.000 niedrigsten simulierten End­ver­mö­gen betrachtet. Auch hier wird die zugehörende Rendite bestimmt, die zum Mittelwert dieser Endver­mö­gen führt. Eine niedrige Rendite bedeutet hohes Risiko, denn sie charakterisiert die Entwick­lung des Vertragsvermögens in den schlechten Fällen.

Ein Risikomaß von null für ein Rie­ster-Produkt bedeutet, dass dem Kun­den in (min­­des­tens) 20 Prozent der künftigen Kapitalmarktent­wick­lungen am Ende der Ansparphase lediglich die Sum­me seiner Beiträge und Zulagen zur Verfü­gung steht. Man beachte, dass aufgrund der Bruttobeitragsgarantie bei einem Riester-Produkt null die kleinstmögliche Rendite ist. Bei einem Basisrenten-Produkt können sich dagegen durchaus auch negative Renditen ergeben.

Viertens: Einordnung in die CRKs

Abschließend wird das Altersvorsorgeprodukt einer der fünf CRKs zugeordnet. Zunächst die technische Umsetzung: In einer zweidimensionalen Grafik werden die Punkte für C und R lokalisiert. Dabei ist das Chancenmaß auf der horizontalen und das Risikomaß auf der vertikalen Achse abgetragen. Diese Ebene wird durch vier Gerade mit der Steigung eins in fünf Areale unterteilt, die von eins bis fünf durchnummeriert sind (siehe Abbildung auf der folgenden Seite). Die Areale von eins bis fünf entsprechen den CRKs. Ein Produkt gehört also zu der Chancen-Risiko-Klasse, in dem sein CR-Punkt liegt.

Beispielhafte Zuordnung von Produkten mit gegebenen Chancen- und Risikomaßen zu den Chancen-Risiko-Klassen (CRK); Quelle: Ralf Korn.
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