17. Mai 2018 | Von Eric Czotscher

Zeitwertkonten – eine Chance für Vermittler und Berater

Aktuelle Studie zeigt wachsendes Interesse von Arbeitgebern / Chance für Finanzberater mit Unternehmensfokus als Ergänzung zur bAV

Viele Fachkräfte wünschen sich eine bessere Work-Life-Balance mit Sabbatical, Familienzeiten und Vorruhestand. Unternehmen können dafür Zeitwertkonten anbieten und sich so als attraktive Arbeitgeber positionieren. Für Vermittler und Berater ist dies ein attraktives neues Geschäftsfeld (Bild: Thinkstock/mihtiander).

Ungewohnte Form der Vergütung

Allerdings erfolgt hier die Vergütung anders als bisher: Während RVM bei den Versicherungen aus jeder Dotierung ein einmaliger Ausgabeaufschlag zufließt, erfolgt bei den Fondsinvestments ausschließlich eine laufende Vergütung, die sich erst über die Zeit rentiert. Der Vorteil für die Arbeitgeber und Arbeitnehmer: Ihre Dotierungen fließen zu 100 Prozent in die Geldanlage.

Die Vergütung des Maklers setzt sich zusammen aus den Retrozessionen der eingesetzten Investmentfonds und einer Servicegebühr, die mit dem Auftraggeber vereinbart wird. Von dieser Servicegebühr fließt ein Teil an PensExpert. Je nach Vereinbarung mit den Arbeitnehmern übernimmt der Arbeitgeber diese Servicegebühr, oder sie wird aus dem Fondsguthaben der Arbeitnehmer entnommen. Die Kosten für die Einrichtung der Treuhandlösung zahlt in jedem Fall der Arbeitgeber.

Die Abwicklung läuft sowohl bei den Versicherungen als auch bei PensExpert reibungsfrei, wie Wurster betont. Zusätzlich bietet ihm die neue Lösung die Möglichkeit, die Entwicklung der eingesetzten Fonds selbst über eine digitale Schnittstelle zu verfolgen – so wie der Arbeitgeber. „Transparenz und Übersichtlichkeit werden hier groß geschrieben“, hebt Wurster hervor. Der Makler ist davon überzeugt, dass die Nachfrage nach Zeitwertkonten in der Zukunft ansteigen wird: „Der Fachkräftemangel wird dafür sorgen, dass sich Arbeitgeber mehr Gedanken um flexible Arbeits- und Vergütungsformen machen müssen.“

Markteinstieg für Makler erleichtert

Für das mittelständische Maklerunternehmen Dr. Ellwanger & Kramm Vorsorgemanagement GmbH, eine Tochtergesellschaft des Industrie- und Gewerbeversicherers Dr. Ellwanger & Kramm GmbH Versicherungsmakler GmbH & Co. KG, sind Zeitwertkonten ein interessanter neuer Markt. Er passt gut zu dem vorhandenen Portfolio aus bAV, Leben- und Krankenversicherungen, wobei die Hauptkunden auch hier Unternehmen und ihre Mitarbeiter sind.

Daniel Knab, Geschäftsführer der Dr. Ellwanger & Kramm Vorsorgemanagement GmbH, hat ein erstes Pilotprojekt für Zeitwertkonten gestartet und will den Bereich künftig ausbauen (Bild: Dr. Ellwanger & Kramm).

Dr. Ellwanger & Kramm Vorsorgemanagement kooperiert derzeit in einem Pilotprojekt mit PensExpert, um bei einem Kundenunternehmen ein Zeitwertkontensystem zu installieren. Der Vorteil für den Makler und seinen Kunden: Der Dienstleister bringt die komplette rechtliche Expertise und das digitale Werkzeug für die Einrichtung und Verwaltung der Zeitwertkonten mit, wie Daniel Knab, Geschäftsführer des Maklerunternehmens betont. Im Fall des aktuellen Pilotprojekts wünschte sich der Kunde allerdings eine Lösung mit Versicherungsrückdeckung und keine Investmentlösung, da das Unternehmen kein Kapitalmarktrisiko eingehen will.

Zeitwertkonto attraktiver als baV

Ein großer Vorteil des Zeitwertkontomodells für den Arbeitnehmer ist der Beschäftigungsschutz während der Auszeit, wie Haßlöcher von Deutsche PensExpert betont. Darüber hinaus biete es viele Vorteile: Der Arbeitnehmer kann aus seinem Bruttogehalt beliebig viel Geld und Zeit (als Geldwert) ansparen. Das rentierlich angesparte Kapital kann er später nutzen, um eine Auszeit zu finanzieren oder um es sich am Ende seiner Beschäftigung als Einmalbetrag steueroptimiert (Fünftelregelung) auszahlen zu lassen. Diesen Betrag könnte er dann in eine Rentenpolice investieren oder in die bAV übertragen lassen, wobei sich Letzteres nur lohnt, wenn das Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze lag. Aufgrund von Kollektivverträgen spart der Arbeitnehmer außerdem Kosten für die Geldanlage bzw. Versicherungslösung im Vergleich zur privaten Vorsorge.

Bei einem Zeitwertkonto kann der Arbeitnehmer also ähnliche Vorteile wie in einer bAV nutzen, aber er ist in der Einzahlungs- und Entnahmephase flexibler. Deshalb kommt Haßlöcher zu dem Schluss: „Das Zeitwertkonto ist im Ergebnis besser als die bAV.“

Artikel teilen