11. November 2017 | Von Eric Czotscher

Kritik an ETFs fragwürdig

Anhänger aktiver Investmentfonds in der Defensive / Stichfeste Argumente fehlen jedoch

Es ist wie der Kampf David gegen Goliath: Das nicht mehr ganz so junge, aber aufsteigende ETF-Segment verdrängt in wachsendem Maße aktive Fonds vom Markt. Noch ist David klein, aber Goliath muss sich Stra- tegien überlegen, um Kunden zurückzugewinnen. Kosten- senkung ist eine davon, Kritik an ETFs eine andere, aber kaum stichhaltige. Bild: Lorelyn Medina/Thinkstock

Private Anleger und ihre Berater in Deutschland setzen immer stärker auf ETFs. Im Juli 2017 erhöhte sich das ETF-Anlagevolumen bei führenden Direktbanken erneut um rund 4 Prozent gegenüber dem Vormonat und erreichte mit 12 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Die Zahl der ETF-Sparpläne erhob sich mit plus 6 Prozent auf knapp 0,5 Millionen ebenfalls zu einem neuen Gipfel. Dies ist das Ergebnis der laufenden Erhebung des „EXtra-Magazins“ in Kooperation mit comdirect, Consorsbank, DKB, Flatex, ING-DiBa und der OnVista Bank. Die Daten bilden nur einen kleinen Teil des deutschen ETF-Markts ab, zeigen aber einen Trend im Privatkundengeschäft. Das Anlagevolumen in ETFs wächst schneller als der restliche Investmentfondsmarkt. Der europäische ETF-Markt für private und institutionelle Anleger ist mittlerweile 615 Milliarden Euro wert.

Der Erfolg von ETFs geht auf Kosten aktiver Fonds, denen die entsprechenden Mittel fehlen. ETFs vergrößern in Deutschland und in Europa ihren Marktanteil. Die Repräsentanten aktiver Fonds sind deshalb und wegen des Gebührendrucks, den ETFs auf die aktive Konkurrenz ausüben, alarmiert und versuchen gegenzuhalten. Dabei setzen manche auf teils absurde Argumente und übertriebene Zahlen. Beispielsweise wird davor gewarnt, durch eine mögliche Dominanz passiver Investoren würde das volkswirtschaftliche Kapital künftig nicht mehr vernünftig auf die Unternehmen verteilt. Denn ETF-Fonds verfügten nicht über Analysten und Manager, die gute Unternehmen durch Investitionen belohnen und schlechte durch Mittelentzug bestrafen könnten.

Die Rede ist oft von einem angeblichen Marktanteil passiver Investoren von 20 bis 25 Prozent. Tatsächlich dürfte dieser Anteil global aber bei unter 1 Prozent liegen, wie der Finanzanalyst Gerd Kommer schätzt. Damit ist er keinesfalls „gefährlich hoch“ oder gar ein „systemisches Risiko“. Dies gilt insbesondere, wenn man bedenkt, dass viele Anleger mit ihren ETFs nicht passiv (Buy-and-Hold), sondern aktiv (Markettiming) investieren. Auch die angebliche „Marktmacht“ der größten ETF-Anbieter entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Schimäre.

Andere Argumente beziehen sich auf die rechtliche Struktur von ETFs. Diese ist aber lediglich eine Variante der hochregulierten UCITS-Investmentfonds. Wie Kommer hervorhebt, haben sich bislang keine dieser angeblichen Gefahren realisiert. Von Themen wie Swaps, Wertpapierleihe, Leverage oder Liquiditätsmatch zwischen Fonds und Underlying sind im Übrigen manche aktive Fonds genauso betroffen wie manche ETFs. Seit Markteinführung des ersten ETFs in den USA vor 24 Jahren hat kein Privatanleger weltweit aus der rechtlichen Konstruktion von ETFs heraus einen Schaden erlitten. Die ETF-Struktur habe sich in zwei scharfen „Stresstests“ bewährt – dem Dotcom-Crash (2000 bis 2002) und der großen Finanzkrise ab 2008, betont Kommer.

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