16. Mai 2018 | Von Dr. Markus Scholand und Eric Czotscher

Private Anleger von nachhaltigen Investments überzeugen

Transparenz nicht immer gewährleistet / Neue Runde für FNG-Nachhaltigkeitssiegel

Gemeinsam eine nachhaltige Investmentwelt schaffen - mit Finanzberatern, Anlegern, Produktanbietern und Ratingagenturen (Bild: Thinkstock/Rawpixel).

Die Zahl der Kredit- und Anlageprodukte mit Bezug zu sozialen und ökologischen Themen steigt fast monatlich. Vor allem institutionelle Akteure treiben im Anlagengeschäft den Markt.

Der Fachverband Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V. (FNG) geht in seiner jüngsten Markterhebung für die DACH-Region von ungefähr 281 Milliarden Euro nachhaltigen Geldanlagen aus, die Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien im Jahr 2017 berücksichtigten. Darunter waren Investmentfonds mit 81 Milliarden Euro. Allein in Deutschland waren 171 Milliarden Euro investiert, 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Darüber hinaus haben Investmentgesellschaften in der DACH-Region laut FNG weitere 2.709 Milliarden Euro „verantwortlich investiert“, d.h. die jeweiligen Gesellschaften verfügen über generelle  Anlagerichtlinien, die gewisse Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen.

Der US-amerikanische Finanzdienstleister MSCI, der auch Indizes für nachhaltige Anlagen berechnet, erwartet, dass spätestens 2023 zwei Drittel aller Geldanlagen durch Nachhaltigkeitsaspekte direkt oder indirekt beeinflusst sein werden. Dafür würden ein Bewusstseinswandel bei den Investoren sowie neue Regulierungen sorgen, heißt es. Auch die F.A.Z.-Konferenz „Nachhaltigkeit & Kapitalanlagen“, die am 18. April 2018 in Frankfurt am Main Premiere hatte, unterstrich diesen Wachstumstrend.

Probleme der Abgrenzung

Das aktuelle Wachstum nachhaltiger Anlagen erfreut gleichermaßen auf Nachhaltigkeit spezialisierte Produktanbieter, Finanzberater und Investoren. Noch vor wenigen Jahren wurde dieses Marktsegment noch als „grüne Nische“ bezeichnet. Doch diese Zeiten scheinen vorbei. Verantwortliches Investieren kommt im Mainstream der Finanzbranche an!

Für eine stabile Entwicklung des Segments gibt es aber noch Hindernisse. Schließlich ist Nachhaltigkeit sprachlich gesehen nicht nur ein „Containerbegriff“ mit weiten inhaltlichen Interpretationsmöglichkeiten. Auch die fast inflationäre Verwendung in den vergangenen Jahren hat zu einer Verwässerung des Begriffs geführt. Vielfältige Informations- und Transparenzprobleme resultieren daraus und könnten die Entwicklung des Marktes hemmen.

(Zu) Viele Initiativen

Nationale und internationale Initiativen wollen diesen Problemen begegnen. Sie streben an, das Thema Nachhaltigkeit auf den Finanzmärkten zu harmonisieren, es klarer zu definieren und Standards zu setzen. Teilweise ist aus der Branche sogar der Wunsch nach stärkerer Regulierung zu hören, um in dem Wachstumsmarkt ein „Level Playing Field“ mit chancengleichen Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.

Allerdings, die Zahl der Initiativen ist international inzwischen dreistellig. Börsen engagieren sich ebenso wie Fachverbände, Umweltorganisationen, kritische Investoren oder die Internationale Organisation für Normung (ISO), um einige Beispiele zu nennen. Auch von der politischen Ebene kommen national wie auch international Impulse, etwa von der EU-Kommission. Diese hat im März 2018 Ihren Aktionsplan „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ vorgestellt. Aus diesem Aktionsplan leiten sich zehn zentrale Handlungsfelder für eine nachhaltige Finanzwirtschaft ab,  die noch 2018 in Gesetzgebungsvorhaben münden sollen. Auch eine entsprechende Aktualisierung der Regelungen in der Finanzmarktrichtlinie MiFID-2 ist zu erwarten, voraussichtlich im dritten Quartal 2018.

Private Investoren noch nicht begeistert

Die Komplexität des Nachhaltigkeitsbegriffs und die Schwierigkeit, das Thema im Vertrieb zu vermitteln, sowie die verwirrende Vielzahl von Initiativen wirkt sich auf die Struktur der Investoren aus. Denn mit etwa 10 Prozent in Deutschland und 18 Prozent in der Schweiz ist der Anteil privater Anleger bei den wachsenden nachhaltigen Investments gering und sogar rückläufig.

Zunächst verwundert dies, denn die Renditeerwartungen sind für Privatinvestoren attraktiv und in allen Hauptanlageklassen gibt es nachhaltige Anlagevarianten. Allein bei Investmentfonds warten in Deutschland etwa 300 Produkte mit Nachhaltigkeitsbezug auf Käufer. Auch die Zahl nachhaltiger Exchange Traded Funds (ETF) wächst.

Allerdings erreichen die Botschaft verantwortlichen Investierens und die damit verbundenen Chancen private Anleger oft nicht – es fehlt an Wissen und Orientierung auf beiden Seiten des Beratungstisches. Private Geldanlagen sind deshalb meist konventionell, obwohl bei vielen Kunden eine Affinität zu nachhaltigen Produkten dem Grunde nach besteht. Das berichten auf Nachhaltigkeit spezialisierte Finanzberater und Versicherungsmakler.

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