16. Mai 2018 | Von Dr. Markus Scholand und Eric Czotscher

Private Anleger von nachhaltigen Investments überzeugen

Transparenz nicht immer gewährleistet / Neue Runde für FNG-Nachhaltigkeitssiegel

Gemeinsam eine nachhaltige Investmentwelt schaffen - mit Finanzberatern, Anlegern, Produktanbietern und Ratingagenturen (Bild: Thinkstock/Rawpixel).

Gütezeichen sollen Orientierung bieten

Um Produktinformationen zu vereinfachen, den Vergleich von Anlagen zu erleichtern und die Kundenberatung zu unterstützen, verfolgen Anbieter, Fachverbände und Verbraucherorganisationen seit einigen Jahren ein Ziel: Gütezeichen sollen die Komplexität des Angebots verringern und die Qualität sichern. So schlägt auch der genannte Aktionsplan der EU-Kommission verbindliche Kennzeichen für umweltfreundliche Finanzprodukte vor. Allerdings ziehen die unterschiedlichen Initiativen nicht immer an einem Strang.

Zertifikate, Siegel, Label oder Eigenmarken sind als Konzepte zur Produktkennzeichnung schon länger in der Diskussion und zum Teil schon am Markt. In der Realwirtschaft dürfte die Zahl der Gütezeichen mit Umweltbezug inzwischen vierstellig sein. Für Finanzprodukte sind methodisch mehrere Ansätze denkbar, zum Beispiel kriterienorientiert oder auf den Produktprozess gerichtet oder aber die Managementleistung bewertend.

Dass der Markt offen für solche Bewertungsansätze und entsprechende Gütezeichen für nachhaltige Finanzprodukte ist, zeigt der Anstieg ihrer Zahl von sechs (2015, Deutschland) auf 16 (2017, europaweit, Angabe von e-fundresearch). Das Verbrauchermagazin „Öko-Test“ hat in seiner April-Ausgabe 2018 sogar 19 europäische Gütezeichen unter die Lupe genommen – wenn auch mit skeptischem Tenor. Aktivitäten großer Ratingagenturen, aber auch die angesprochenen politischen Initiativen lassen erwarten, dass künftig noch mehr Bewegung in den Markt kommen wird.

45 Investmentfonds mit FNG-Siegel

Das private Anlagegeschäft könnte am Wachstum nachhaltiger Investments künftig stärker teilhaben als bisher. Vor diesem Hintergrund ist das FNG-Gütezeichen von besonderem Interesse für Finanzdienstleister: Die aktuelle Bewerbungsrunde für Anbieter nachhaltiger Finanzprodukte begann im April und läuft noch bis 7. Juli 2018. Das Verfahren koordiniert die Gesellschaft für Qualitätssicherung Nachhaltiger Geldanlagen mbH (GNG). Sie ist eine hundertprozentige Tochter von FNG.

Im Jahr 2017 konnte die GNG insgesamt 45 nachhaltige Investmentfonds von 21 Fondsgesellschaften mit dem Gütezeichen  „FNG-Siegel“ auszeichnen. Unter den Bewerbern hatten sechs Häuser erstmals am Audit teilgenommen. Für Ihre Nachhaltigkeitsqualität ausgezeichnet wurden traditionelle Investmentfonds ebenso wie „innovative“ Produkte aus den Bereichen Wandelanleihenfonds, Green-Bonds-Fonds oder Emerging-Market-Anlagen.

2015 2016 2017
Zahl der Fondshäuser (Bewerber) 20 17 21
Ausgezeichnete Fonds 35 38 45
Produkte der höchsten Qualitätsstufe 3 7 9

Quelle: Markus Scholand nach Angaben der GNG.

Das FNG-Siegel kam 2015 an den Markt, gilt aber bereits als das in Deutschland verbreitetste Zeichen für nachhaltige Anlageprodukte. Es folgt einer prozessorientieren Methodik und basiert auf Mindeststandards und darauf aufbauend drei Qualitätsstufen. Das Audit führte bisher die französische Ratingagentur Novethic durch, die auch das Ratingkonzept mit entwickelt hat. Künftig wird die Universität Hamburg die Bewertungen vornehmen und sich damit auch als Hochschule neu positionieren. Dort leitet Prof. Dr. Timo Busch die zuständige „Research Group on Sustainable Finance“.

2017 erreichten neun Fonds die höchste Qualitätsstufe, darunter ein deutscher Fonds der Steyler Ethik Bank sowie Produkte der österreichischen Fondsgesellschaften Erste Sparinvest und Raiffeisen KAG sowie der holländischen Triodos Invest Management.

Gütezeichen weiterentwickeln

Unbenommen der verbesserten Marktakzeptanz nachhaltiger Produkte, die mit Gütezeichen markiert sind, ist insgesamt ein vorsichtiges Herangehen bei der Einführung solcher Kennzeichen angeraten. Die Flut von Bio-Kennzeichnungen bei Lebensmitteln oder die Erfahrungen bei Ökostrom zeigen, dass unklare oder zu viele Gütezeichen das eigentliche Ziel einer besseren Aufklärung verfehlen können. Andererseits liegt der klare Vorteil der Kennzeichnungssysteme in einer leichteren Kundenansprache sowie besseren Differenzierung am Markt.

Dr. Markus Scholand rät zur Zurückhaltung bei der Entwicklung neuer Gütezeichen. Er ist Partner für Wissens- und Innovations-management im Expertennetzwerk ecofin (Bild: Scholand).

Die Zurückhaltung mancher Anbieter nachhaltiger Fondsprodukte, sich für ein Gütezeichen zu bewerben, kann zum Teil durch die aktuellen Bestrebungen der EU-Kommission zur Produktkennzeichnung erklärt werden. Allerdings, „abwarten und Tee trinken“ ist sicherlich keine geeignete Strategie. Denn eine einmal verlorene Marktposition lässt sich nicht von heute auf morgen wieder aufholen.

Es gibt aber wohl auch Fondsanbieter, die davor zurückschrecken, über eine transparente Kennzeichnung ihrer Nachhaltigkeitsqualität die „Fallhöhe“ ihrer eigenen Produkte zu definieren. So könnte der kritische Blick von Investoren und Medien auch auf die nicht so nachhaltigen traditionellen Produkte im Angebot fallen.

Die GNG setzt deshalb auf eine Weiterentwicklung ihres Siegelkonzepts, vor allem auf inhaltliche Stärke bei den Kriterien, einen breiteren Bewertungsansatz und auf die Unabhängigkeit der Auditierung. Ein strategisch kluger Ansatz, auch für Produktanbieter, denn nachhaltiges Handeln wird zweifelsohne immer mehr zu einem zentralen Faktor für Entscheidungen in der Finanzbranche. Gute Voraussetzungen also weiterhin für nachhaltige Investments und für Finanzberater, die sich damit auskennen bzw. eine Weiterqualifikation zu Nachhaltigkeitsthemen in der Finanzberatung planen. Für Investmenthäuser, die sich noch in den Zertifizierungsprozess für die Siegelvergabe 2018 einbringen wollen, ist es ebenfalls eine Chance.

Nachhaltige Vermögensverwaltung

Im Mai 2018 wurde mit dem Nachhaltigkeitsportfolio des Vermögensverwalters Daubenthaler & Cie. aus Stuttgart eine Vermögensverwaltungsstrategie als konform mit den Mindestkriterien des FNG-Siegels ausgezeichnet. Das Portfolio investiert ausschließlich in Fonds, die das FNG-Siegel tragen. Derzeit wird es vor allem für die betrieblichen Altersversorgung eingesetzt, ist aber auch für Privatanleger erhältlich. Die Vermögensverwaltung arbeitet gegen eine Pauschalgebühr, die auch den Kauf und Verkauf der Fonds (ohne Agio) abdeckt. Alle Provisionen werden an den Anleger weitergeleitet. Gemeinnützige Organisationen erhalten die Dienstleistung zum Selbstkostenpreis.

 

 

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