16. April 2018 | Von Eric Czotscher

Seltene Erden als Rohstoffinvestment

Hype ist abgeklungen, aber Bedarf wächst in der Hightechbranche

Seltene Erden finden bei regenerativen Energien, in Smartphone, aber auch in der Textilfärbung Anwendung (Bild: Thinkstock/Isaac74).

Im Jahr 2010 schien sich ein Handelskrieg zwischen China und dem Rest der Welt anzubahnen: Die Volksrepublik gab bekannt, dass sie den Export seltener Erden einschränken werde. Statt die kostbaren Metalle, die vor allem in der Hightechindustrie Anwendung finden, zu niedrigen Preisen auf dem Weltmarkt anzubieten, wollte China den kostbaren Rohstoff für politische und wirtschaftliche Ziele einsetzen. Denn in der Volksrepublik finden sich die weltweit größten Vorkommen dieser Metalle. Die insgesamt 17 Elemente kommen in der Natur meist nur in kleinen Mengen, in vielen, weit verstreut lagernden Mineralien und als Beimischungen in anderen Mineralien vor.

Die USA und Europa waren alarmiert, hängen doch einige Schlüsselindustrien, insbesondere in der Hightechbranche, von den seltenen Erden ab. Beispielsweise wird das seltene Metall Neodym in Legierungen mit Eisen und Bor zur Herstellung von Dauermagneten verwendet. Diese Magnete kommen in Generatoren von Windkraftanlagen und in Elektromotoren von Kfz-Hybrid-Antrieben zum Einsatz. Das Metall Lanthan wiederum wird für Legierungen in Akkumulatoren benötigt.

Deutsche Unternehmen meldeten sich damals warnend zu Wort und baten um Unterstützung aus der Politik. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte deshalb auf einer Chinareise offene Märkte an. Gleichzeitig schossen 2010 die Preise für seltene Erden nach oben, was wiederum das Interesse von Investoren beflügelte.

Seltene Erden weiter gefragt

Mittlerweile ist der Hype abgeklungen, die Preise sind zurückgegangen. Viele der damaligen Prognosen für einen schnell wachsenden Bedarf stellten sich als fehlerhaft heraus. Manche seltenen Erden konnten in der Industrieproduktion durch günstigere Ersatzstoffe ausgetauscht werden. Doch der Kampf um freie Märkte und der Bedarf an seltenen Erden sind weiter aktuell. Sollten Anlageberater also ein Investment in seltene Erden empfehlen?

Seltene Erden werden im Gegensatz zu Basis- oder Edelmetallen nicht an Börsen gehandelt. Hersteller und Abnehmer vereinbaren die Preise direkt. Die Preisentwicklung ist damit sehr intransparent und außerdem volatil. Fonds und Zertifikate  speziell für seltene Erden sind rar und meist nur in den USA oder in Kanada handelbar. VanEck bietet aber einen ETF auf Minen und Verarbeiter von seltenen Erden: den Vectors Rare Earth/Strategic Metals ETF (REMX). Er ist an der NYSE handelbar.

Daneben kommen für Anleger vor allem Aktien von Rohstoffkonzernen, die seltene Erden fördern oder diese verarbeiten, in Frage – ein durchaus riskantes, aber auch chancenreiches Investment. Mögliche Unternehmen sind Lynas Corporation (Australien), China Northern Rare Earth und China Molybdenum.

Buchtipp

Lesenswertes Kompendium über die seltenen Metalle (Bild: oekom).

Wer sich über die Förderung, die Verwendung und den Handel mit seltenen Erden informieren will, sollte zu dem Buch „Seltene Erden – Umkämpfte Rohstoffe des Hightech-Zeitalters“ (oekom 2018) greifen. Das spannende Werk von Luitgard Marschall und Heike Holdinghausen aus der oekom-Reihe „Stoffgeschichten“ gibt einen historischen Überblick über die insgesamt 17 seltenen Erden, erläutert die besonderen Eigenschaften dieser Metalle und ihre Verwendung in der Industrie. Außerdem weist es auf die teils dramatische Umweltprobleme beim Abbau in China hin sowie auf Recyclingmöglichkeiten, um den Wertstoff nachhaltiger zu nutzen. Für Rohstoffinvestoren in jedem Fall eine empfehlenswerte Lektüre, denn das Buch entwirft ein realistisches Bild des Marktes jenseits von Spekulationen.

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