28. Februar 2018 | Von Eric Czotscher

Allianz öffnet Tür zur Honorarberatung

Immer mehr Versicherer bieten Nettotarife an – jetzt auch in der PKV

Der Zugang zur Honorarberatung wird einfacher dank wachsendem Angebot von Nettotarifen (Bild: Thinkstock/Stockbyte).

Der Marktführer der deutschen Versicherungsbranche geht einen großen Schritt auf Honorarberater zu. Die Allianz bietet nun auch kostenreduzierte Tarife ohne Provisionen an, und zwar in der Sach-, Lebens- und Krankenversicherung.

„Berät ein Versicherungsberater im Sachversicherungsgeschäft gegen Honorar, kann er die Risiken seiner Kunden zu nettoisierten Prämien bei der Allianz Versicherungs-AG versichern“, sagt eine Allianz-Sprecherin auf Anfrage von „Der Neue Finanzberater“. Versicherungsberater, die ihre Kunden zur Altersvorsorge, gleich ob private Vorsorge oder betriebliche Altersversorgung, oder zur Einkommensvorsorge gegen Honorar beraten, könnten gleichfalls Nettotarife von der Allianz Lebensversicherungs-AG anbieten und ihren Kunden vermitteln, heißt es. Nach Angaben von Versicherungsmaklern sind diese Verträge allerdings erst ab relativ hohen Bewertungssummen erhältlich.

In den Sparten Sach- und Lebensversicherung bieten Wettbewerber bereits seit vielen Jahren Nettotarife an. Neu ist allerdings das Angebot der Allianz in der Krankenversicherung: „Auch für die Allianz Private Krankenversicherungs-AG entwickeln wir derzeit entsprechende Angebote für Versicherungsberater, die ihre Kunden gegen Honorar beraten und Versicherungen vermitteln“, heißt es aus dem Hause Allianz.

Regulierung unterstützt Honorarberater

Mit Inkrafttreten der IDD am 23. Februar können Makler eine Erlaubnis als Versicherungsberater (§ 34d Abs. 2 GewO) beantragen und künftig Netto- und Bruttotarife gegen Honorar vermitteln. Darüber hinaus dürfen Sie nicht nur gewerblichen, sondern auch Privatkunden die Rechtsberatung zu Versicherungen und die außergerichtliche Vertretung von Versicherten gegenüber Versicherungsgesellschaften gegen Honorar anbieten. Der Schritt in Richtung Versicherungsberatung dürfte sich insbesondere für solche Makler lohnen, die bereits heute Nettotarife gegen Honorar vermitteln oder Servicevereinbarungen mit ihren Kunden treffen. Ansprüche auf Bestandsprovisionen aus früher vermittelten Bruttoverträgen dürfen Sie dabei auch künftig vereinnahmen.

Versicherungsberater rücken näher an Versicherer

Durch die IDD wird sich aber auch die Geschäftspraxis der bisherigen Versicherungsberater nach § 34e GewO ändern, die künftig ebenfalls unter den § 34d Abs. 2 GewO fallen werden. Nun können sie neben der Beratung und rechtlichen Vertretung auch die Versicherungsvermittlung anbieten. Dazu dürfen die Berater auch entsprechende Vereinbarungen mit Versicherungsgesellschaften treffen.

Bei der Vermittlung von Versicherungen sind Versicherungsberater allerdings dazu angehalten, vornehmlich Nettotarife zu wählen. Falls kein geeigneter Nettotarif vorhanden ist, darf es aber auch ein Bruttotarif sein. In diesem Fall ist der Versicherer dazu verpflichtet, bis zu 80 Prozent der im Tarif enthaltenen Provisionen („Kosten für die Versicherungsvermittlung“) an den Kunden durchzuleiten. Die Gesellschaften können dabei zwischen einer Prämiengutschrift oder einer dauerhaften Prämienreduzierung wählen. Diese Regelung bedeutet eine deutliche Privilegierung der Versicherungsberatung, da für Versicherungsmakler ein Provisionsabgabeverbot gilt.

Näheres zur Zusammenarbeit von Versicherungsberatern und Versicherungsgesellschaften und zur Berechnung der Kostenerstattung regelt ein neues Vertriebsrundschreiben der BaFin, das derzeit in Vorbereitung ist. Bislang liegt nur ein Entwurf vor, zu dem sich Verbände und Marktteilnehmer bis Ende Februar 2018 äußern dürfen. (LINK: ) Im Entwurf heißt es in Abschnitt B.VI:

„Versicherungsunternehmen haben im Rahmen der Festlegung der Vertriebsstrategie (vgl. § 23 Abs. 1a S. 4 VAG) zu entscheiden, ob und in welchem Umfang sie mit Versicherungsberatern zusammenarbeiten wollen. Im Fall einer Zusammenarbeit mit Versicherungsberatern ist das Durchleitungsgebot gemäß § 48c VAG zu beachten, wenn der Kunde einen Bruttotarif abschließt.“

Demnach besteht also kein Kontrahierungszwang für die Versicherer. Vielmehr dürfen die Gesellschaften selbst entscheiden, ob sie mit Honorarberatern zusammenarbeiten wollen oder ob es ihnen zu aufwendig ist. Branchenkenner erwarten, dass vielen Versicherer die Durchleitung zu aufwendig ist und sie sich alternativ für das Angebot von Nettotarifen entscheiden werden.

Beratungsschein öffnet Zugang zu breitem Policenspektrum

Für den Kunden gibt es in jedem Fall eine „Ventillösung“. Falls ein Versicherungsberater ihm eine bestimmte Versicherung empfiehlt, der entsprechende Versicherer aber nicht mit Beratern zusammenarbeiten will, kann der Kunde sich selbst an diesen Versicherer wenden und die kostenreduzierte Police direkt bei diesem oder über dessen Vermittler abschließen. Zu diesem Zweck hat der Versicherungsberater die Möglichkeit, seinen Kunden einen Beratungsschein auszustellen, den der Kunden innerhalb von sechs Monaten beim Versicherer einlösen muss.

Zum Beratungsschein heißt es im BaFin-Entwurf:

„Die Bescheinigung hat ein oder mehrere konkrete Versicherungsprodukte zu bezeichnen, die dem Kunden empfohlen werden. Auch muss die Bescheinigung erkennen lassen, durch wen als Versicherungsberater die Beratung erfolgt ist. (…) Für ein Versicherungsunternehmen besteht insoweit das Risiko, dass ein Kunde (…) sich an ein Versicherungsunternehmen oder einen Versicherungsvermittler wendet, ohne dass die vorangegangene Beratung durch einen Versicherungsberater für diese sogleich erkennbar wäre. Hier können aus Sicht des Versicherungsunternehmens vermeidbare zusätzliche Kosten entstehen, etwa für eine überflüssige Versicherungsvermittlung durch Vertriebspartner. Diesem Risiko sollte durch geeignete Maßnahmen im Rahmen der Geschäftsorganisation begegnet werden.“

Legende von zu wenigen Nettotarifen

Bereits heute gibt es eine breite Fülle von Nettotarifen für Personen- und Sachversicherungen. Wer das Gegenteil behaupte, stricke Legenden, sagt Dr. Walter Hubel, Vorstand des Honorarberaterdienstleisters con.fee AG. „Alle bekannten Maklerversicherer bieten inzwischen Nettotarife an. Lediglich einige Gesellschaften mit starken Ausschließlichkeitsvertrieben und private Krankenversicherer verweigern sich noch dieser Entwicklung.“ Doch auch hier kommt Bewegung in den Markt, wie das Angebot der Allianz, aber auch die bereits seit längerem erhältlichen Nettotarife der ERGO in der Altersvorsorge zeigen. Weitere Gesellschaften dürften in den kommenden Wochen folgen. Wie aus Vermittlerkreisen zu hören ist, bieten manche Versicherer ihre Nettotarife nicht nur Versicherungsberatern direkt an, sondern auch über Plattformen und Maklerpools, die mit Versicherungsberatern und Honorarvermittlern zusammenarbeiten.

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