11. April 2018 | Von Marko Lützel und Eric Czotscher

Reicht die Rente? – Altersvorsorgeformel zur Ermittlung der Rentenlücke

Echter Mehrwert für Verbraucher / Weitere Initiativen von fairr.de und Goethe-Universität

Für Verbraucher ist kaum überblickbar, wie viel sie tatsächlich noch zusätzlich ansparen müssen, um für das Alter gut vorzusorgen (Bild: Thinkstock/wutwhanfoto).

Damit Verbraucher ihre Altersvorsorge sinnvoll planen können, benötigen sie einen Überblick über die zu erwartenden Zahlungen aus gesetzlicher Rente, Förderrenten und bAV sowie über mögliche Kapitalanlagen, auf die sie im Alter zurückgreifen können. Wer seine Rentenlücke  kennt, weiß auch, wie viel er zusätzlich vorsorgen muss und kann frühzeitig damit beginnen.

Da seine Suche nach einem transparenten Onlinerechner für eine realistische und umfassende Ermittlung der Rentenlücke – zumindest bis vor kurzem – vergeblich war, beschloss der Finanzplaner und -berater Marko Lützel, selbst einen solchen Rechner zu entwickeln und allen Verbrauchern im Internet als kostenlosen Service zur Verfügung zu stellen.

Seit Herbst 2016 ist dieser Rechner auf der eigens dafür eingerichteten Website www.altersvorsorgerechner.info für jeden Interessenten – ob Verbraucher oder Finanzberater – zugänglich. Der Rechner ist kostenfrei, erfordert keine Anmeldung und enthält keine Werbung – außer der Möglichkeit, einen Termin für ein Beratungsgespräch mit Lützel zu vereinbaren, falls der Kunde nicht bereits einen Berater seines Vertrauens hat.

Wie die Rentenlücke berechnet wird

Die durch den Vorsorgerechner ermittelte Rentenlücke zeigt übersichtlich, inwieweit der Sparer seine Wunschrente bereits erreicht hat bzw. welcher Zielerreichungsgrad in Prozent zu erwarten ist, sofern der Sparer seine bisherigen Altersvorsorgemaßnahmen bis zum geplanten Rentenbeginn fortsetzt.

Marko Lützel arbeitet als Finanzanlagenvermittler und Versicherungsmakler in Berlin. Er will Verbraucher besser zur Vorsorge aufklären (Bild: rbb-Media).

Üblicherweise muss man sich bei Onlinetools im Internet auf die Richtigkeit der ausgewiesenen Ergebnisse verlassen, ohne zu wissen, wie diese zustande gekommen sind.  Im Falle des Rechners www.altersvorsorgerechner.info wird die zugrunde liegende „Altersvorsorgeformel“ hier offengelegt. Die Formel mag zunächst komplex erscheinen, doch es handelt sich um relativ simple Finanzmathematik:

 

Legende zur Altersvorsorgeformel

 RL = voraussichtliche Rentenlücke

Rw= Wunschrente in gegenwärtiger Kaufkraft (2.000 Euro)

iI = prognostizierte Inflationsrate (2 Prozent)

iA = prognostizierte Kapitalanlagerendite in der Ansparphase (3 Prozent)

iR = prognostizierte Kapitalanlagerendite in der Rentenphase (2 Prozent)

idyn = Steigerungsrate der Rente aus Kapitalvermögen p.a. = dynamische Rente (1 Prozent)

nA = Ansparphase in Jahren (20 Jahre)

nR = Rentenphase in Jahren = implizite (Rest-)Lebenserwartung (28 Jahre)

RGR = Gesetzliche Rente (1.700 Euro)

RbAV = Rente aus betrieblicher Altersvorsorge (300 Euro)

RR/R = Rente aus Riester und / oder Rürup-Rente (0 Euro)

RSE = Rente aus sonstigen Einkünfte, bspw. Private Rentenversicherung, Mieteinkünfte (0 Euro)

K0 = bereits vorhandener Kapitalstock für die Altersvorsorge (50.000 Euro)

Kn = zusätzlicher Kapitalbedarf zum Rentenbeginn

m = Anzahl Rentenzahlungen p.a. (12 Zahlungen im Jahr)

In Klammern sind beispielhaft Werte für eine 47 Jahre alte Person mit durchschnittlichem Verdienst, einem Rentenbeginn mit 67 Jahren und einer Lebenserwartung von 95 Jahren aufgeführt.

Aus Vorsichtsgründen sollte der Berater bzw. der Verbraucher alle Variablen konservativ wählen, das heißt sowohl die prognostizierten Renditen in der Anspar- bzw. Rentenphase als auch die vorhandenen Rentenansprüche sollten eher zu niedrig als zu hoch angesetzt werden. Inflationsrate und voraussichtliche Lebenserwartung („Langlebigkeitsrisiko“) sind dagegen eher hoch anzusetzen.

Weiterhin ist zu beachten, dass von der angestrebten Bruttorente noch Steuern sowie Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abzuführen sind. Diese Abzüge sind in der Formel nicht enthalten. Denn insbesondere bei langen Planungszeiträumen können diese ohnehin nur sehr grob geschätzt werden.

Es ist empfehlenswert, zunächst mit den in Klammern genannten Beispielwerten „per Hand“ die Rentenlücke zu berechnen, um ein besseres Gefühl für die unterschiedlichen rentenbeeinflussenden Stellschrauben zu bekommen. Anschließend können die Zahlen in den Onlinerechner getippt werden, um die Ergebnisse verschiedener Szenarien zu vergleichen.

Wie viel Kapital noch fehlt

Mit folgender Formel lässt sich aus der monatlichen Rentenlücke der zusätzliche Kapitalbedarf zum Rentenbeginn ermitteln:

Da hier auf das erste Rentenbezugsjahr abgestellt wird, kann sich durch erfolgreiche individuelle Kapitalanlage in den Folgejahren die Rente durchaus noch erhöhen. Im Beispiel könnte die aus dem individuellen Kapitalstock generierte Rente um mehr als 1 Prozent steigen, sofern die Kapitalanlagerendite in der Rentenphase 2 Prozent nach Steuern übersteigt.

Bei ungünstiger Wertentwicklung könnte dagegen die Rentensteigerung ausbleiben, oder die Rentenzahlung aus freiem Vorsorgekapital müsste sogar reduziert werden. In diesem Fall kann der Sparer vielleicht hoffen, dass der zusätzliche Kapitalbedarf durch eine Erbschaft o.ä. hereinkommt. Zuverlässiger dürften dagegen zusätzliche Sparanstrengungen sein. Die erforderliche Jahressparrate r errechnet sich wie folgt:

Rechner als Renteninformationssystem

Die Formel lässt sich problemlos durch Hinzufügen oder Weglassen von Termen modifizieren. Wenn zum Beispiel explizit Mieteinkünfte berücksichtigt werden sollen, lässt sich in die Hauptformel zum Beispiel ein Term RME (Rente aus Mieteinkünften) einfügen.

Regelmäßig anwenden

Neben der Vermeidung von Datenmissbrauch – der Rechner erfordert keine Anmeldung und keine Preisgabe persönlicher Daten – ist eine regelmäßige, idealerweise jährliche, aktive Beschäftigung mit den eigenen Altersvorsorgebausteinen wahrscheinlich sinnvoller als ein automatischer Prozess, der zum unreflektierten Laufenlassen verleitet.

Zum Überprüfen und Anpassen der eigenen Altersvorsorge kann bei Bedarf ein unabhängiger Finanzberater hinzugezogen werden. Der mit dem Altersvorsorgerechner ermittelte Status Quo lässt sich dabei als Gesprächsgrundlage nutzen. Als Hintergrundinformation für Verbraucher hat Marko Lützel außerdem im Selbstverlag einen Kompaktratgeber „Altersvorsorge 2018“ herausgegeben. Dort findet der Leser Umsetzungsmöglichkeiten, Spartipps und eine Checkliste für die säulenübergreifende Altersvorsorge.

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