15. Februar 2018 | Von Detlef Pohl

Etwas mehr Transparenz bei Fondspolicen

Eine aktuelle Untersuchung von Map-Report offenbart, was heute an Kostentransparenz bei Fondspolicen möglich ist – brutto wie netto

So transparent wie klares Wasser sind Fondspolicen noch nicht, aber die Kosten kommen immer mehr an die Oberfläche (Bild: Thinkstock/thomaguery).

Intransparenz war jahrelang das Markenzeichen von Fondspolicen. Nun zeigt eine Untersuchung von Map-Report, was heute an Kostentransparenz möglich ist. Dabei wurde getrennt nach Brutto- und Nettotarifen. Anhand des Tarifvergleichs lässt sich allerdings nicht feststellen, welche Tarifkalkulation für den Versicherungsnehmer günstiger ist. Ohne versierten Berater ist ein Kunde chancenlos.

Bei Bruttotarifen sind die besten Anbieter von fondsgebundenen Rentenversicherungen (FRV) mit der Note „ausgezeichnet“ Allianz, Condor, Europa und Debeka. Das ergab der im VersicherungsJournal-Verlag Mitte Januar 2018 veröffentlichte Map-Report Fondspolicen-Rating deutscher Lebensversicherer: Bruttotarife (Nr. 898). Dem Rating stellten sich 14 von 81 Gesellschaften. Das sind zwar doppelt so viele wie zum Start des Ratings vor eineinhalb Jahren, doch ein Ruhmesblatt in Sachen Transparenz ist das für die Branche nicht. Die Gesellschaften wurden hinsichtlich Bilanzstärke, Service und Transparenz, Fondsqualität und Vertragsangebot (samt Kosten) analysiert. Für jeden Teilbereich gibt es eigene Ergebnisübersichten. Erstmals erfolgte die Auswertung der Fondsdaten in Zusammenarbeit mit dem Analysehaus Morningstar Deutschland.

Im Map-Report wurde unter anderem eine Musterrechnung verwendet für einen Beispielkunden, der am 1. Dezember 2017 im Alter von 47 Jahren eine aufgeschobene fondsgebundene Rentenversicherung mit einer Beitragszahlungsdauer von 20 Jahren zu einem Monatsbeitrag von 100 Euro abschließt. Dabei sind zehn Jahre Rentengarantiezeit für die Erben bei Tod des Versicherten nach Rentenbeginn ebenso einkalkuliert wie eine 6-prozentige Wertentwicklung der Fonds.

Kosten gingen in die Bewertung ein

 Die Kosten, jahrelang eine Blackbox der Anbieter, gingen in die Bewertung der Modellrechnungen für den Mustervertrag ein. Beim Vergleich sollten alle Kosten berücksichtigt sein, die eindeutig dem Vertrag zuzuordnen sind. Dazu gehören die Kapitalanlagekosten der gewählten Fonds, die Abschluss- und Vertriebskosten sowie die laufenden Kosten des Vertrages. Auch der Anteil der externen Fondskosten (abzüglich der fondsspezifischen Kostenüberschüsse) sollten berücksichtigt werden.

Ergebnis: Für eine Bruttopolice mit 20 Jahren Laufzeit und 100 Euro Monatsbeitrag berechnet die Nürnberger Lebensversicherung mit 840 Euro die mit Abstand höchsten einmalig anfallenden Abschluss- und Vertriebskosten. Die meisten anderen Gesellschaften begnügen sich mit rund 600 Euro. Cosmos kommt völlig ohne solche Kosten aus.

Wichtig für Berater: Allerdings berechnet der Direktversicherer dem Kunden Ausgabeaufschläge für die Fonds und relativ hohe laufende Kosten der Fondsverwaltung. Zudem werden Kunden derzeit nicht an etwaigen Rückvergütungen der Investmentfirmen (Kickbacks) beteiligt. Kickbacks behält allerdings auch die Nürnberger ein.

Bei den laufenden Verwaltungskosten pro Jahr ist Direktversicherer Cosmos wiederum am günstigsten mit 24 Euro für den Mustervertrag, gefolgt von Europa Lebensversicherung mit 30 Euro. Einige Maklerversicherer, darunter die Allianz, berechnen moderate Beträge zwischen 50 und 66 Euro. Dagegen lassen sich andere die Verwaltung fürstlich vergüten: Ergo (144 Euro), LV 1871 (126 Euro) oder Neue Bayerische Beamten (123 Euro). Cosmos weist bei den im Key-Investor-Information-Document (KIID) genannten weiteren laufenden Fondskosten mit 1,7 Prozent den zweithöchsten Wert auf. Im Durchschnitt liegen die laufenden Kosten gemäß KIID je nach Gesellschaft zwischen 1,12 Prozent (Neue Bayerische Beamten) und 1,83 Prozent (Hanse Merkur).

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