15. Februar 2018 | Von Detlef Pohl

Etwas mehr Transparenz bei Fondspolicen

Eine aktuelle Untersuchung von Map-Report offenbart, was heute an Kostentransparenz bei Fondspolicen möglich ist – brutto wie netto

So transparent wie klares Wasser sind Fondspolicen noch nicht, aber die Kosten kommen immer mehr an die Oberfläche (Bild: Thinkstock/thomaguery).

Verzicht auf Vergleich der Effektivkosten

Reinhard Klages, Chefredakteur des Map-Reports, vertraut den Versichererangaben zu den Effektivkosten nicht (Bild: Map-Report).

Im Vergleich zum ersten FRV-Rating von Map-Report 2016 wurde auf die Bewertung der Effektivkosten (Reduction in Yield – RIY) verzichtet. „Denn deren Ermittlung wird in der Branche noch sehr unterschiedlich gehandhabt und maßgeblich durch die Wahl des Fonds beeinflusst“, begründet Reinhard Klages, Chefredakteur des Map-Reports, die Entscheidung. Andererseits würden häufig in den Fonds teilweise hohe Kosten versteckt, die auch eine intensive Fragebogen-Recherche nicht komplett aufdecken könne. Makler müssen also sehr genau auf die Zahlen schauen, um ihren Kunden fundierten Rat geben zu können.

Alternatives Rating von Öko-Test

Ein Test der Zeitschrift „Öko-Test“ (Heft 11/17) verwendet demgegenüber die Renditeminderung durch Kosten als wichtigstes Testmerkmal. Dabei haben die Tester die Kosten selbst auf Basis der Bruttomethode ermittelt und die Marktrendite abzüglich aller Kosten inklusive fondsinterner Kosten berechnet. Sofern der Versicherer eine Rückvergütung von der Fondsgesellschaft erhält und diese dem Kunden gutschreibt, wurde diese bei den Berechnungen berücksichtigt. Damit ergibt sich, auf welche Rendite ein Versicherter im Vergleich zum Anleger verzichten muss.

Die so berechnete Renditeminderung lag für einen Mann (55) bei Fondspolicen mit Garantie und aktiv gemanagten Fonds zwischen 1,7 Prozent (Allianz) und 4,92 Prozent (Ergo) Prozentpunkten. Bei Fondspolicen ohne Garantie und ETFs lag die RIY naturgemäß etwas niedriger: zwischen 1,65 Prozent (Allianz) und 4,72 Prozent (Inter Lebensversicherung) Prozentpunkten.

Vergleich zu Nettotarifen liegt ebenfalls vor  

Ende Januar 2018 hat der Map-Report im Heft 899 gesondert auch Nettotarife bewertet und unter dem Titel Fondspolicen-Rating deutscher Lebensversicherer: Nettotarife veröffentlicht. Die Versicherer stellen sich zunehmend auf das IDD-Umsetzungsgesetz und die neue Vermittlerfunktion von Versicherungsberatern ein, die Nettotarife bevorzugen sollen. Außerdem bieten immer mehr Makler die Honorarvermittlung von Nettotarifen an. Dem Vergleich stellten sich allerdings nur sieben Anbieter, obwohl derzeit schon rund zwei Dutzend Lebensversicherer Nettopolicen offerieren. Ausgezeichnet schnitt dabei nur die Condor ab, sehr gut Continentale, LV 1871, MyLife, Neue Bayerische Beamten (NBB) und Ergo. Für gut wurde die Nürnberger befunden.

Während in die Bruttotarife bestimmte Vertriebskosten einschließlich Vermittlungscourtage einkalkuliert sind, werden diese bei den Nettotarifen mehr oder weniger weggelassen. Der Kunde zahlt den Berater oder Vermittler für die Vermittlung- bzw. Beratungsdienstleistung direkt. Da das Honorar frei verhandelbar ist, lässt sich allein durch Tarifvergleich nicht feststellen, welcher Vertriebsweg für den Kunden über die gesamte Laufzeit günstiger ist.

IDD verlangt konsequentere Kosteninformation

Ergebnis des Nettotarifvergleichs in Sachen Kosten: Für eine Nettopolice mit 20 Jahren Laufzeit und 100 Euro Monatsbeitrag und einer Rentengarantie berechnen nur MyLife, LV 1871, Condor und NBB keine einmalig anfallenden Abschluss- und Vertriebskosten und bieten somit echte Nettotarife. Andere verlangen zwischen 144 und 244 Euro. Hier könnte es für den Kunden samt Honorar teurer werden als mit einer Bruttopolice. Und der Makler unterliegt demnächst verschärfter Haftung: „Das IDD-Umsetzungsgesetz verlangt bei Versicherungsanlageprodukten ab 23. Februar, die Gesamtkosten sowie die kumulative Wirkung auf die Anlagerendite verständlich zu erklären“, betont Jens Reichow, Partner der Kanzlei Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte.

Bei den laufenden Verwaltungskosten pro Jahr ist MyLife am günstigsten mit 36 Euro pro Jahr für den Mustervertrag. Der im Rating teuerste Anbieter Ergo kassiert noch akzeptable 84 Euro pro 1.200 Euro Jahresbeitrag. Ab Beginn der Rentenphase verlangen alle sieben Anbieter einheitlich 1,5 Prozent pro 1.000 Euro der Jahresrente an Verwaltungsgebühr.

Generell auf Stornoabschläge bei Kündigung verzichten MyLife, LV 1871 und Nürnberger. Andere tun es erst bei Kündigung ab Alter 59 beziehungsweise ab fünf Jahre vor Rentenbeginn. Condor besteht darauf allerdings bis zum Schluss, Ergo bei Kündigung bis zur Abrufphase. Die Höhe schwankt zwischen einmalig 60 Euro (Continentale) und 150 Euro (Ergo; NBB).

Zudem werden Kunden mit relativ hohen laufenden Verwaltungsvergütungen der Fonds belastet – zwischen 0,98 und 1,32 Prozent. Andererseits werden Verbraucher derzeit bei MyLife und Nürnberger nicht an etwaigen Rückvergütungen der Investmentfirmen (Kickbacks) beteiligt. Auch das sind wichtige Informationen für das Beratungsgespräch mit dem Kunden. Die meisten anderen Gesellschaften schreiben Kickbacks ganz oder teilweise als Überschüsse dem Kundenkonto gut. Condor weist bei den im „Key-Investor-Information-Document“ (KIID) genannten weiteren laufenden Fondskosten mit 1,69 Prozent den höchsten Wert auf. Am wenigsten verlangt NBB mit 1,12 Prozent.

 Was der Leistungsvergleich zeigt

Beide Map-Reports geben zusammen keinen realistischen Leistungsvergleich her, weil trotz garantierter Rentenfaktoren in beiden Tarifarten die Wertentwicklung nicht garantiert ist. „Eingeschränkte Vergleichbarkeit gibt es auch bei der Höhe der Renten, Kapitalabfindungen und Effektivkosten“, nennt Klage die wunden Punkte für Vermittler. „Trotz unserer Vorgaben im Fragebogen kann es vorkommen, dass die Versicherer bei den Berechnungen von unterschiedlichen, für sie vorteilhaften Annahmen ausgingen“, warnt Analyst Klages vor Vergleichen von Äpfeln und Birnen.

Dennoch: Vier Gesellschaften bieten sowohl Nettotarife als auch Bruttotarife an. Beim 20-Jahresvertrag mit Garantien werden bei 6,0 Prozent Netto-Fondsperformance nach Kosten bei NBB voraussichtlich fast 143 Euro Monatsrente (bei der Bruttopolice: 114 Euro). Bei Condor müsste sich der Kunde mit 128 Euro Monatsrente begnügen (bei der Bruttopolice: 116 Euro). LV 1871 und Nürnberger liegen dazwischen. Die garantierten Monatsrenten liegen in beiden Tarifarten bei etwa 68 bis 78 Euro.

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