17. Mai 2018 | Von Detlef Pohl

Rechtsschutz klug auswählen

Ohne Beratung gleicht die Tarifauswahl Lottospiel / Kundenfreundlichkeit steigt

Kunden finden Rechtsschutz heute nicht nur durch Versicherungen, sondern auch durch „Legal Techs“ (Bild: Thinkstock/Vaniatos).

Das Analysehaus Franke & Bornberg hat kürzlich zum zweiten Mal den Markt für Rechtsschutzversicherungen untersucht und dabei fast 80 Analysekriterien verwendet. Trotz Komplexität lautet die gute Nachricht: Jeder vierte der über 250 untersuchten Tarife von 38 Versicherern für Singles bzw. für Familien erhielt die Höchstnote „FFF“.

Ohne versierten Vermittler wird dem Verbraucher die Wahl der passenden Police trotzdem selten glücken. Denn selbst bei den besten Tarifen gibt es teils deutlich abweichende Leistungen. Dazu gehören etwa die zeitliche Begrenzung bei weltweitem Auslandsaufenthalt (mitunter unbegrenzt, vielfach aber nur ein, zwei oder drei Jahre gültig), die Höhe der Kostenübernahme für Mediation (mitunter unbegrenzt, mitunter maximal 2.000 Euro pro Verfahren) oder die Mitversicherung von Aufhebungsvereinbarungen beim Arbeitsrechtsschutz (oft gar nicht versichert, mitunter bis 1.000 Euro, manchmal unbegrenzt versichert).

Rechtsschutz wird wichtiger

Klar ist: Die Rechtsschutzpolice wird in Deutschland wichtiger. Nicht nur die Streitfreude der Deutschen steigt – 2016 kamen auf 100 Einwohner 25 Streitfälle -, auch das Beitragsvolumen wächst. In den vergangenen zehn Jahren ist es um ein Viertel angestiegen. Im Fokus des Ratings von Franke und Bornberg stehen Tarife für die Bereiche Privat, Beruf, Verkehr und Wohnen. 134 davon fallen in die Kategorie Familie, die restlichen 122 in die Kategorie Single.

Das Ergebnis: „Die Leistungsdichte hat gegenüber dem Vorjahr noch einmal zugenommen. Einige Anbieter schafften dank kundenfreundlicher Verbesserungen den Sprung in die höchste Leistungsklasse“, resümiert Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg. Auch dies ist eine gute Nachricht, wird so doch die Arbeit der Berater erleichtert.

Analyst Michael Franke erkennt eine wachsende Leistungsdichte und mehr kundenfreundliche Regeln in den Rechtsschutzversicherungen (Bild: Franke und Bornberg).

Kundenfreundliche Verbesserungen

Als Beispiele nennt Franke Deckungszusagen für den Fall, dass private Internetnutzer wegen vermeintlicher Urheberrechtsverletzungen belangt werden. Zugelegt habe auch die Zahl von Tarifen, die Kunden unterstützen, deren Onlinereputation von Dritten geschädigt wurde. Der Schutz ermöglichst es hierbei Schadenersatz- und Unterlassungsansprüche geltend zu machen. Gleichwohl gäbe es trotz wachsender Erstattungsgrenzen in vielen Tarifen Luft nach oben. Beispielsweise seien die Kosten für eine Erstberatung oft auf 1.000 Euro pro Kalenderjahr begrenzt, was in vielen Fällen nicht ausreiche, um die Anwaltskosten zu begleichen.

„Im aktuellen Rating konnten wir immerhin für rund vier von zehn Tarifen unsere Höchstnote vergeben”, so Franke. Darunter waren 37 Prozent der Tarife aus der Kategorie Familie (Vorjahr: 31 Prozent). Der Beitrag in dieser Spitzengruppe schwankt je nach Tarif und Leistungsumfang zwischen 222 und 553 Euro. Bei den Single-Tarifen bekamen 35 Prozent die Höchstnote (Vorjahr: 30 Prozent). Die Jahresprämie für Singles liegt in dieser Spitzengruppe je nach Tarif und Leistungsumfang zwischen 195 und 489 Euro.

Policen mit modularer Struktur und optionalen Bausteinen liegen im Trend, wie die Analysten feststellen. Positiv für die Kunden sei, dass Spitzenleistung oft nicht mehr koste als einfache Tarife. Neben positiven Trends wie Deckungserweiterungen für Sozial-, Steuer- und Verwaltungsverfahren oder kundenfreundlicherem Arbeitsrechtsschutz hat das Analysehaus auch Kritik: Bei der Kostenübernahme für außergerichtliche Verfahren trenne sich die Spreu vom Weizen.

Passende Tarife finden

„Ein einzelnes Leistungskriterium, das unbedingt erfüllt sein muss, gibt es nicht. Was für einen Kunden unverzichtbar ist, kann für den anderen  überflüssig sein“, hebt Versicherungsmakler Michael Salzburg hervor. „Das Wichtigste bei der Produktauswahl ist deshalb, dass das Produkt und die ausgewählten Bausteine zur konkreten Lebenssituation des Kunden passen und möglichst alle Rechtsrisiken, denen er ausgesetzt ist, abgedeckt sind“, ergänzt Salzburg, Geschäftsführer der Friedels fairsicherungsbüro Langer & Salzburg GmbH in Berlin.

Michael Salzburg von Friedels fairsicherungsbüro achtet bei der Auswahl von Rechtsschutzpolicen genau auf die Lebenssituation des Kunden (Bild: Salzburg).
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