17. Mai 2018 | Von Detlef Pohl

Rechtsschutz klug auswählen

Ohne Beratung gleicht die Tarifauswahl Lottospiel / Kundenfreundlichkeit steigt

Kunden finden Rechtsschutz heute nicht nur durch Versicherungen, sondern auch durch „Legal Techs“ (Bild: Thinkstock/Vaniatos).

Legal Techs“ verändern das Rechtsgeschäft

Als Wettbewerber bieten sogenannte Legal Techs Kunden ihre Hilfe bei der Durchsetzung rechtlicher Ansprüche ganz ohne Versicherung. Beispielsweise bündelt das Startup-Unternehmen financialright GmbH („myRright“) Klagen von VW-Kunden wegen des Dieselskandals. Die Dieselfahrer tragen hierbei keinerlei Kostenrisiko, stattdessen erhält das Unternehmen einen Teil des Schadenersatzes, falls VW im Verfahren unterliegt.

Vielfach agieren Legal Techs ausschließlich online. Die Rechtsdienstleistung wird zum digitalen Massenprodukt — schnell, billig und unkompliziert. Damit werden sie zu Wettbewerbern für die zum Teil schwerfälligen Schadenabteilungen der Rechtsschutzversicherer.

Versicherer springen auf Zug auf

Einige Rechtsschutzversicherer betreiben inzwischen eigene Legal Techs oder kooperieren mit solchen. Die DEVK hat das Portal Klugo.de gestartet, Arag kooperiert mit Mineko.de. Auf diese Weise profitiert die Assekuranz von den günstigen Preisen und der Schnelligkeit der Onlinejuristen.

Rechtsdienstleistungen würden zunehmend standardisiert und automatisiert, meint Thomas Lämmrich, Leiter Rechtsschutz beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Bislang gehe es  um relativ einfache Klagen, die bei den Versicherern nichtsdestotrotz hohe Kosten verursachten.

Was Legal Techs letztlich für die Versicherungsvermittler bedeuten, lässt sich noch nicht abschätzen. Makler dürfen außerhalb ihres Kerngeschäfts keine Rechtsberatung anbieten, deshalb können sie sich mit ihren Kunden freuen, falls diese durch digitale Algorithmen schneller und preiswerter zu ihrem Recht kommen.

Wenn die sogenannte Musterfeststellungsklage in Deutschland über das reine Kapitalmarktrecht hinaus zur Anwendung kommt, dürften die Karten im Markt für Rechtsdienstleistungen ohnehin neu gemischt werden. Mehrere Verbände warten schon auf ihr Recht zur Klage.

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